Hauswinkelspinne: Erkennen, Biss und warum sie im Herbst kommt

Hauswinkelspinne: Erkennen, Biss und warum sie im Herbst kommt

Kurz beantwortet:Mit Hauswinkelspinne ist meist die Große Winkelspinne (Eratigena atrica) gemeint: eine heimische, braune, stark behaarte Spinne mit 10 bis 16 Millimetern Körperlänge und bis zu zehn Zentimetern Beinspannweite. Sie ist für Menschen weder giftig noch gefährlich. Im Spätsommer und Herbst laufen die Männchen auf Partnersuche durch die Wohnung. Bringen Sie sie mit Glas und Pappe nach draußen.

Hauswinkelspinne erkennen: Größe, Farbe, Netz

Wenn im Herbst eine große, dunkle, langbeinige Spinne über den Teppich rennt oder morgens in der Badewanne sitzt, sprechen die meisten von der Hauswinkelspinne. Gemeint ist fast immer die Große Winkelspinne, wissenschaftlich Eratigena atrica, früher Tegenaria atrica. Weil sie so gern in Häusern, Kellern und Schuppen lebt, heißt sie im Volksmund Hauswinkelspinne oder einfach Hausspinne. Streng genommen trägt diesen Namen eine kleinere Verwandte, Tegenaria domestica, die mit dem Menschen weltweit verschleppt wurde. Für Sie macht der Unterschied wenig aus, beide sind harmlos.

Die Große Winkelspinne hat eine Körperlänge von 10 bis 16 Millimetern. Mit den Beinen kommt sie auf eine Spannweite von bis zu zehn Zentimetern, und genau das macht den Schreck aus. Schaut man genauer hin, besteht sie fast nur aus Beinen. Die Färbung ist braun bis dunkelbraun, vor einer Häutung fast schwarz. Die Beine sind lang, kräftig und dicht behaart, auf dem Hinterleib sitzt eine hell-dunkle Fleckenzeichnung. Die feinen Haare sind übrigens Sinnesorgane, mit denen die Spinne kleinste Erschütterungen wahrnimmt.

Ihr Netz verrät sie zuverlässig: eine trichterförmige Wohnröhre in einer Ecke, darüber ein flaches, mehrlagiges Deckennetz. Darin wartet die Spinne tagsüber oft lange völlig reglos. Läuft ein Insekt oder eine Assel über die Fäden, schießt sie heraus, lähmt die Beute mit einem Biss und frisst sie im Schutz des Trichters. Die Tiere sind dämmerungs- und nachtaktiv und können nach Angaben des NABU bis zu sechs Jahre alt werden.

Zu Hause ist die Große Winkelspinne vor allem dort, wo es dunkel, ruhig und eher feucht ist: in Kellern, Garagen, Gartenhäusern und Schuppen, an efeubewachsenen Hausmauern und in Lichtschächten. Im eigentlichen Wohnbereich lebt sie seltener. In Altbauten mit feuchtem Keller oder Souterrain, wie es sie in Hamburg viele gibt, fühlt sie sich deshalb wohl, und von dort aus startet sie im Herbst ihre Ausflüge.

Warum kommt die Hauswinkelspinne im Herbst ins Haus?

Ab Ende August und besonders im September und Oktober häufen sich die Begegnungen. Das heißt nicht, dass plötzlich mehr Spinnen im Haus wären. Die meisten waren schon da, gut versteckt in Keller, Garage, Abstellraum oder hinter Schränken. Im Spätsommer und Herbst verlassen die Männchen aber ihre Netze und gehen auf ausgedehnte Streifzüge, um paarungsbereite Weibchen zu finden. Dabei laufen sie quer durch Wohnzimmer, Flur und Bad, und dort sehen wir sie.

Die Weibchen bleiben dagegen meist in ihrem Trichter, etwa hinter dem Schrank oder in einer Kellerecke. Nach der Paarung kann es passieren, dass das Weibchen das Männchen erbeutet. Die Spinne, die im Oktober nachts durchs Wohnzimmer läuft, ist deshalb sehr oft ein Männchen auf Brautschau.

Bleibt die Frage nach der Badewanne. Die Spinne kommt nicht aus dem Abfluss. Sie ist bei ihrem Streifzug hineingeraten und kommt an den glatten Wänden nicht wieder hoch. Der NABU nennt die Wanne deshalb treffend eine Falle. Ein Stöpsel im Abfluss ändert daran nichts. Ein Handtuch über dem Wannenrand gibt der Spinne dagegen eine Ausstiegshilfe.

Hauswinkelspinne: Körper 10–16 mm, Beine bis 10 cm

Hauswinkelspinne

  • Körper 10–16 mm, Beine bis 10 cm
  • Braun, stark behaart, sehr langbeinig
  • Fleckenmuster auf dem Hinterleib
  • Trichternetz in Ecken und Kellern
Nosferatu-Spinne: Körper ca. 1,5 cm, Beine ca. 5 cm

Nosferatu-Spinne

  • Körper ca. 1,5 cm, Beine ca. 5 cm
  • Kompakter Körperbau
  • Vampirkopf-Muster auf dem Vorderkörper
  • Kein Fangnetz, jagt frei laufend
Große Zitterspinne: Winziger, länglicher Körper

Große Zitterspinne

  • Winziger, länglicher Körper
  • Extrem dünne, lange Beine
  • Lockeres Netz unter der Decke
  • Zittert, wenn man das Netz berührt

Hauswinkelspinne, Nosferatu-Spinne oder Zitterspinne?

Im Herbst fragen viele, ob die große Spinne im Flur eine Nosferatu-Spinne ist. Die Verwechslung ist verständlich, beide sind groß, braun und behaart. Die Nosferatu-Spinne (Zoropsis spinimana) stammt aus dem Mittelmeerraum, wurde in Deutschland 2005 erstmals nachgewiesen und ist inzwischen aus allen Bundesländern gemeldet, im Norden und Osten allerdings seltener. Mit etwa anderthalb Zentimetern Körperlänge ist sie ähnlich groß wie die Winkelspinne, ihre Beinspannweite liegt aber eher bei fünf Zentimetern. Sie wirkt dadurch kompakter.

Das sicherste Merkmal ist die Zeichnung. Die Nosferatu-Spinne trägt auf dem Vorderkörper ein Muster, das mit etwas Fantasie an den Kopf des Stummfilmvampirs erinnert. Sie baut kein Fangnetz, sondern jagt frei laufend. Die Winkelspinne dagegen sitzt in ihrem Trichternetz, ist deutlich langbeiniger und hat ihre Fleckenzeichnung auf dem Hinterleib. Ausführlich vergleichen wir beide in unserem Ratgeber zur Nosferatu-Spinne.

Die dritte häufige Hausspinne ist die Große Zitterspinne mit winzigem Körper und extrem dünnen, langen Beinen. Sie hängt in lockeren, unregelmäßigen Netzen unter der Decke und beginnt zu zittern, wenn man das Netz berührt. Sie ist eine der wenigen Spinnen, die es mit einer Winkelspinne aufnehmen: Sie bewirft sie mit Fäden, spinnt sie ein und beißt erst dann zu.

Hauswinkelspinne: Hauswinkelspinne, Nosferatu-Spinne oder Zitterspinne

Ist die Hauswinkelspinne giftig? Biss und Gefahr

Kurz gesagt: nein. Wie fast alle Spinnen besitzt die Winkelspinne Gift, mit dem sie Insekten lähmt. Für Menschen ist sie nach Einschätzung von NABU und Umweltbundesamt weder giftig noch sonst gefährlich. Menschen gehören nicht zu ihrer Beute, sie flieht lieber, als sich zu wehren. Beißen würde sie nur in echter Bedrängnis, etwa wenn sie in der Hand gequetscht wird. Ein solcher Biss wäre spürbar, hätte aber keine bleibende Wirkung.

In Deutschland gibt es nur wenige Spinnenarten, deren Mundwerkzeuge die menschliche Haut überhaupt durchdringen können, darunter die Dornfinger und die Nosferatu-Spinne. Selbst dann rötet sich die Stelle meist und schwillt an, ähnlich wie nach einem Bienen- oder Wespenstich. Schwere Giftwirkungen sind von heimischen Arten nicht zu erwarten, Krankheiten übertragen Spinnen hierzulande nicht.

Im Gegenteil: Die Winkelspinne ist ein nützlicher Mitbewohner. Sie fängt Mücken, Fliegen, Silberfischchen, Asseln und sogar Mehlmotten. Dazu kommt das Recht. Das Bundesnaturschutzgesetz verbietet allgemein, wild lebende Tiere ohne vernünftigen Grund zu fangen, zu verletzen oder zu töten. Eine Spinne, die sich in einer halben Minute mit Glas und Pappe nach draußen bringen lässt, liefert kaum einen solchen Grund.

Hauswinkelspinne fangen und nach draußen bringen

Die schonendste Methode ist auch die einfachste: Stülpen Sie ein Glas über die Spinne, schieben Sie langsam eine Postkarte oder ein Stück Pappe darunter und tragen Sie beides nach draußen. Der NABU Berlin empfiehlt dafür augenzwinkernd Zahnputzbecher und Klolektüre. Das Umweltbundesamt stellt klar, dass dabei keinerlei Gefahr besteht, selbst wenn man die Spinne mit der Hand nimmt.

Setzen Sie die Spinne an einer geschützten, regengeschützten Stelle ab, etwa am Gartenhaus, unter einer Hecke, an einem Holzstapel oder an einer mit Efeu bewachsenen Mauer. In der Natur lebt die Art unter Steinen und Baumwurzeln, in hohlen Bäumen und an Böschungen. Im Keller oder in der Garage stört sie in der Regel niemanden und hält dort Insekten kurz.

Bitte keine Hausschuhe, Zeitungen oder Staubsauger. Der NABU rät ausdrücklich davon ab, die nützlichen Tiere so zu traktieren. Chemische Mittel gegen Spinnen im Haus sind überflüssig. Das Umweltbundesamt empfiehlt generell, auf eine Bekämpfung zu verzichten, weil von den Tieren keine Gefahr ausgeht. Störende Netze können Sie einfach absaugen oder abfegen.

Wann ein Fachbetrieb sinnvoll ist

Ehrlich gesagt: Wegen einer Hauswinkelspinne müssen Sie keinen Kammerjäger rufen, und wir würden Ihnen auch keinen Einsatz verkaufen. Spinnen bekämpfen wir nicht. Interessant wird es, wenn Sie auffällig viele Spinnen im Keller, in der Waschküche oder im Souterrain haben. Spinnen sitzen dort, wo es Beute gibt. Viele Winkelspinnen können also ein Hinweis auf viele Asseln, Silberfischchen oder Motten sein, und die haben meist eine Ursache wie Feuchtigkeit oder Vorräte. In Hamburg und im Umland sind wir in solchen Fällen meist noch am selben Tag da, schauen uns die Lage bei einer Erstinspektion für 80 € an, die bei einem Auftrag verrechnet wird, und sagen offen, ob überhaupt etwas zu tun ist.

Wenn Sie unsicher sind, ob es eine Nosferatu-Spinne oder ein eingeschlepptes Tier aus einer Obst- oder Pflanzenlieferung ist, schicken Sie uns ein Foto. Solche Exoten sind seltene Einzelfälle, aber ein Bild klärt die Frage meist schnell. Was bei Asseln im feuchten Keller zu tun ist, lesen Sie in unserem Ratgeber Kellerasseln im Haus.

Vorbeugen: So kommen weniger Spinnen ins Haus

Ganz spinnenfrei wird kein Haus, und das ist auch gut so. Sie können aber dafür sorgen, dass im Herbst weniger Tiere den Weg in die Wohnräume finden. Am wirksamsten sind Fliegengitter an Fenstern und Lichtschächten sowie dicht schließende Kellertüren. Prüfen Sie Spalten unter Haus- und Kellertüren, offene Rohrdurchführungen und Lüftungsöffnungen und dichten Sie sie mit Bürstendichtungen oder feinem Gitter ab.

Weniger Beute bedeutet weniger Spinnen. Halten Sie Keller und Abstellräume trocken und aufgeräumt, lüften Sie regelmäßig und lagern Sie Kartons nicht direkt auf dem Boden. Feuchte, vollgestellte Ecken ziehen Asseln und Silberfischchen an, und denen folgen die Spinnen.

Von Sprays oder Granulaten gegen Spinnen raten wir ab. Sie belasten die Raumluft, treffen Nützlinge und ändern nichts an der Ursache. Auch auf Duftöle in der Fensterecke sollten Sie sich nicht verlassen. Ein Glas, ein Stück Pappe und etwas Ruhe lösen das Problem zuverlässiger.

Quellen

  1. NABU: Die Große Winkelspinne im Porträt
  2. NABU Berlin: Große Winkelspinne
  3. NABU: Zum Herbstanfang zieht es vermehrt Spinnen ins Haus
  4. NABU: Wer hat die Nosferatuspinne gesehen?
  5. Umweltbundesamt: Spinnen
  6. Bundesnaturschutzgesetz: § 39 Allgemeiner Schutz wild lebender Tiere und Pflanzen

Stand der Angaben: 15.10.2026. Geprüft von Heiko Kirschner.

Häufige Fragen

Hauswinkelspinne: häufige Fragen

Was ist eine Hauswinkelspinne?

Als Hauswinkelspinne wird meist die Große Winkelspinne (Eratigena atrica) bezeichnet, eine heimische Trichternetzspinne. Sie wird 10 bis 16 Millimeter lang, mit Beinen bis zu zehn Zentimeter breit, ist braun bis dunkelbraun und stark behaart. Sie lebt in Kellern, Garagen und Schuppen, ist nachtaktiv, für Menschen harmlos und frisst Insekten und Asseln.

Ist die Hauswinkelspinne giftig?

Für Menschen nicht. Sie besitzt zwar Gift, um Insekten zu lähmen, gilt nach Einschätzung von NABU und Umweltbundesamt aber als weder giftig noch gefährlich. Sie beißt nur in echter Bedrängnis, etwa wenn man sie zerdrückt. Ein solcher Biss wäre spürbar, hätte aber keine bleibende Wirkung. Krankheiten übertragen Spinnen in Deutschland nicht.

Warum sind im Herbst so viele große Spinnen im Haus?

Im Spätsommer und Herbst verlassen die Männchen der Winkelspinne ihre Netze und suchen nach Weibchen. Dabei laufen sie durch Wohnräume, Flure und Bäder, wo man sie sonst nicht sieht. Es gibt also nicht plötzlich mehr Spinnen, sie sind nur sichtbarer. Die Weibchen bleiben meist in ihren Verstecken in Kellern und hinter Möbeln.

Wie bekomme ich eine Spinne aus der Badewanne?

Stülpen Sie ein Glas über die Spinne, schieben Sie eine Postkarte darunter und tragen Sie sie nach draußen an eine geschützte Stelle. Die Spinne ist nicht aus dem Abfluss gekommen, sondern hineingeraten und kommt an den glatten Wänden nicht hoch. Ein Handtuch über dem Wannenrand dient ihr auch als Ausstiegshilfe.

Wie unterscheide ich Hauswinkelspinne und Nosferatu-Spinne?

Die Winkelspinne sitzt meist in einem Trichternetz, hat sehr lange Beine und eine Fleckenzeichnung auf dem Hinterleib. Die Nosferatu-Spinne baut kein Fangnetz, wirkt kompakter, hat eine Beinspannweite von etwa fünf Zentimetern und trägt auf dem Vorderkörper eine Zeichnung, die an den Kopf des Filmvampirs erinnert. Beide sind für Menschen nicht gefährlich.

Wie lange lebt eine Hauswinkelspinne?

Die Große Winkelspinne ist für eine heimische Spinne sehr langlebig und kann nach Angaben des NABU bis zu sechs Jahre alt werden. Sie wächst über mehrere Häutungen heran und ist kurz vor einer Häutung besonders dunkel gefärbt. Die Weibchen bleiben oft lange an einem geschützten Platz, etwa in einer Kellerecke oder hinter einem Schrank.

Darf man Spinnen in der Wohnung töten?

Das Bundesnaturschutzgesetz verbietet allgemein, wild lebende Tiere ohne vernünftigen Grund zu fangen, zu verletzen oder zu töten. Bei einer harmlosen Spinne, die sich mit Glas und Pappe in einer halben Minute nach draußen bringen lässt, fehlt ein solcher Grund meist. Das Umweltbundesamt rät generell davon ab, Spinnen im Haus zu bekämpfen.

Was hilft gegen Spinnen im Haus?

Am wirksamsten sind Fliegengitter an Fenstern und Lichtschächten, abgedichtete Spalten an Türen und Rohrdurchführungen sowie trockene, aufgeräumte Keller. Weniger Insekten und Asseln bedeuten weniger Spinnen. Sprays und Granulate sind unnötig, weil von heimischen Spinnen keine Gefahr ausgeht. Einzelne Tiere bringen Sie einfach mit Glas und Pappe nach draußen.

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