01Hausbock und Nagekäfer sind zwei Baustellen
Hinter fast allen Befunden stehen zwei Arten, und sie verhalten sich unterschiedlich. Der Hausbock (Hylotrupes bajulus) befällt verbautes Nadelholz, also genau das Material, aus dem Dachstühle und Balkenlagen bestehen. Seine Ausfluglöcher sind oval und mit 5 bis 10 mm deutlich größer. Entscheidend ist die Larvenentwicklung: Sie dauert je nach Bedingungen etwa drei bis zehn Jahre, und in dieser ganzen Zeit frisst das Tier im Holzinneren, ohne dass außen viel zu sehen wäre.
Der Gewöhnliche Nagekäfer (Anobium punctatum), umgangssprachlich Holzwurm, hinterlässt runde Löcher von 1 bis 2 mm und geht an Nadel- und Laubholz. Aus dem Lochbild folgt die Art, aus der Art folgt das Verfahren.
02Alte Löcher belegen keinen aktiven Befall
Das ist der wichtigste Satz im Holzschutz, weil an ihm hängt, ob überhaupt behandelt werden muss. Ein Loch ist die Austrittsöffnung eines fertig entwickelten Käfers, also die Spur von etwas Abgeschlossenem, und es bleibt jahrzehntelang sichtbar, auch wenn im Holz längst nichts mehr lebt.
Aktivität zeigt sich an anderen Merkmalen und braucht im Zweifel eine Beobachtung über einen gewissen Zeitraum statt einer Momentaufnahme. Deshalb arbeiten wir in dieser Reihenfolge und nicht umgekehrt: erst Befund, dann Verfahren. Wer ohne Diagnose behandeln lässt, zahlt im ungünstigen Fall für eine Sanierung, die ein längst erloschener Befall nicht gerechtfertigt hätte.
03Kerntemperatur entscheidet, nicht Raumtemperatur
Für die Behandlung gibt es drei Wege, die sich nach Bauteil und Befallstiefe richten. Bekämpfungsmittel auf der Oberfläche erreichen nur die äußeren Holzschichten und reichen dort, wo der Befall oberflächennah liegt. Das Bohrloch- und Injektionsverfahren bringt den Wirkstoff über gesetzte Bohrungen in den Querschnitt hinein, also dorthin, wo die Larve tatsächlich frisst, und ist bei starken Querschnitten das Mittel der Wahl.
Die thermische Behandlung arbeitet ohne Wirkstoff und eignet sich für bewegliche Teile und abgrenzbare Räume. Maßgeblich ist dabei die Kerntemperatur im Bauteil, nicht die Raumtemperatur. Warme Luft im Dachraum allein sagt über den Erfolg nichts aus.
04Wenn tragende Bauteile betroffen sind
Bei tragenden Bauteilen endet der Holzschutz nicht bei der Bekämpfung. Wenn Sparren, Balkenköpfe oder Auflager über Jahre befressen wurden, ist der verbliebene Querschnitt die eigentliche Frage, und die beantwortet keine Behandlung, sondern gegebenenfalls eine zusätzliche statische Beurteilung durch eine dafür zuständige Fachperson. Wir sagen deutlich, wenn wir diese Grenze erreichen, statt sie zu überschreiten.
Häufig steht daneben ein Feuchteproblem, denn ein undichtes Dach oder ein durchfeuchteter Balkenkopf verändert die Bedingungen im Holz. Die Beratung vor Ort ist kostenlos, damit diese Einordnung nicht an einer Rechnung hängt, auch dann, wenn am Ende keine Behandlung nötig ist.
05Hausmittel gegen Holzwurm und ihre Grenzen
Im Internet kursieren viele Hausmittel gegen Holzwürmer: Essigessenz oder Salmiakgeist mit der Spritze in die Löcher, Kastanien, Zwiebeln oder Speiseöl. Keines davon erreicht die Larven zuverlässig. Die Ausfluglöcher mit wenigen Millimetern Durchmesser sind der Weg, den ein fertiger Käfer bereits genommen hat, die Fraßgänge der Larven verlaufen verzweigt tief im Holz, bevorzugt im weicheren Splintholz. Frisches, helles Holzmehl unter den Löchern ist das sicherste Zeichen, dass dort noch gefressen wird.
Wirksam sind Temperaturen und zugelassene Mittel. Hitze tötet alle Stadien, wenn das Holz im Kern mindestens 55 Grad für eine Stunde erreicht, Kälte funktioniert bei kleinen Gegenständen über mehrere Tage in der Gefriertruhe. Borsalze werden vor allem vorbeugend eingesetzt, um unbehandeltes Holz zu schützen. Bei Bauholz, Dachstuhl und tragenden Teilen kommt es auf die Diagnose an, und die Holzschutz-Beratung ist bei uns kostenlos. Hohe Holzfeuchte und Luftfeuchtigkeit fördern den Befall, deshalb gehört das Trocknen immer zum Plan.