Weberknecht oder Zitterspinne? So unterscheiden Sie die Langbeiner

Weberknecht oder Zitterspinne? So unterscheiden Sie die Langbeiner

Kurz beantwortet:Der Weberknecht ist keine Spinne, sondern ein eigenes Spinnentier: Sein Körper ist rund und ungeteilt, er hat zwei Augen, weder Gift- noch Spinndrüsen und baut kein Netz. Die Zitterspinne ist eine echte Spinne mit zweigeteiltem Körper, hängt kopfüber in einem lockeren Netz an der Zimmerdecke und zittert, wenn man es berührt. Beide sind für Menschen harmlos und nützlich.

Weberknecht: Spinnentier, aber keine Spinne

Weberknechte (Opiliones) gehören wie die Spinnen zu den Spinnentieren und haben acht Beine, sind aber eine eigene Ordnung. In Deutschland kommen laut Rote-Liste-Zentrum 52 etablierte Arten vor, 47 davon heimisch. Der wichtigste Unterschied zu den Spinnen: Vorder- und Hinterkörper sind nicht sichtbar voneinander getrennt. Der Körper wirkt dadurch kompakt, oval bis kugelig, und sitzt wie eine kleine Linse zwischen den Beinen.

Auf dem Rücken trägt der Weberknecht einen kleinen Augenhügel mit nur zwei Linsenaugen, die meisten Spinnen haben acht Augen. Weberknechte haben weder Giftdrüsen noch Spinndrüsen und bauen folglich auch keine Netze. Zur Verteidigung besitzen sie Stinkdrüsen, die sie vor manchen Feinden schützen.

Auffällig sind die sehr langen Beine vieler Arten. Das zweite Beinpaar ist meist besonders lang und dient auch zum Tasten. Viele Weberknechte haben an den Beinen Sollbruchstellen und werfen bei Gefahr ein Bein ab, um einem Fressfeind zu entkommen. Deshalb sieht man häufig Tiere mit nur sechs oder sieben Beinen.

Weberknechte leben räuberisch von kleinen Gliedertieren, manche Arten fressen auch tote Insekten. Sie bauen keine Fangnetze, sondern laufen ihre Beute an. Man findet sie vor allem im Garten und an sonnigen Hauswänden. Ins Haus kommen sie nur gelegentlich, meist im Sommer auf der Suche nach einem kühlen Unterschlupf.

Zitterspinne: die Netzbauerin an der Zimmerdecke

Die Große Zitterspinne (Pholcus phalangioides) ist eine echte Spinne und war Spinne des Jahres 2003. Ihr Körper ist nur sieben bis zehn Millimeter lang, grauweiß und an manchen Stellen fast durchsichtig, mit bräunlicher Zeichnung und einem länglichen, zylindrischen Hinterleib. Die dünnen Beine werden dagegen bis zu fünf Zentimeter lang. Gut zu erkennen ist der deutlich zweigeteilte Körper.

Die Zitterspinne lebt bei uns fast nur in Gebäuden und ist das ganze Jahr im Haus. Sie mag es warm und eher feucht und sitzt deshalb gern im Badezimmer, im Keller und in ruhigen Zimmerecken. Dort baut sie unregelmäßige, lockere Netze direkt unter der Decke und hängt kopfüber darin. Oft fallen die Netze mehr auf als die Spinne selbst, vor allem wenn sie verlassen und eingestaubt sind.

Ihren Namen hat sie von ihrem Abwehrverhalten. Wird das Netz berührt, schwingt die Spinne heftig hin und her. Ihre Umrisse verschwimmen, und ein Angreifer lässt oft von ihr ab. Zitterspinnen können bis zu drei Jahre alt werden. Die Weibchen tragen ihre Eier in einem hauchdünnen Kokon in den Kieferklauen mit sich herum, bis die Jungen schlüpfen.

Woher die Art ursprünglich stammt, ist nicht geklärt. In Europa kam sie zunächst vor allem im Süden vor und hat sich von dort nach Norden ausgebreitet. Heute ist sie in fast jedem Haus zu finden. Zitterspinnen sind untereinander wenig aggressiv, deshalb sitzen oft mehrere Tiere dicht nebeneinander, und ihre Netze gehen ineinander über. Das erklärt, warum an einer Kellerdecke manchmal ein ganzes Geflecht hängt.

Weberknecht: Runder, ungeteilter Körper

Weberknecht

  • Runder, ungeteilter Körper
  • Zwei Augen auf einem Augenhügel
  • Kein Gift, kein Netz
  • Eher im Garten und an Hauswänden
Zitterspinne: Zweigeteilter, länglicher Körper

Zitterspinne

  • Zweigeteilter, länglicher Körper
  • Beine bis 5 cm lang
  • Lockeres Netz an der Zimmerdecke
  • Zittert bei Störung
Große Winkelspinne: Dunkel, behaart, kräftig gebaut

Große Winkelspinne

  • Dunkel, behaart, kräftig gebaut
  • Hell-dunkle Flecken auf dem Hinterleib
  • Im Herbst oft in Wanne oder Waschbecken
  • Nachtaktiv, ungefährlich

Weberknecht oder Zitterspinne? Der Unterschied auf einen Blick

Die beiden werden ständig verwechselt, weil beide einen kleinen Körper auf sehr langen, dünnen Beinen tragen. Mit drei Fragen ist die Bestimmung trotzdem einfach. Erstens: Hat das Tier ein Netz? Ein Tier im Netz an der Decke ist eine Zitterspinne, Weberknechte können keine Netze bauen. Zweitens: Wie sieht der Körper aus? Ist er rund und ungeteilt, ist es ein Weberknecht. Sind Vorderkörper und länglicher Hinterleib deutlich getrennt, ist es eine Zitterspinne.

Drittens: Wo sitzt das Tier? Weberknechte laufen eher im Garten, im Laub und an Fassaden herum und verirren sich nur gelegentlich ins Haus. Zitterspinnen leben fast nur drinnen. Wer im Winter einen Langbeiner an der Zimmerdecke sieht, hat fast immer eine Zitterspinne vor sich.

Verwechselt werden beide auch mit der Großen Winkelspinne, die vor allem im Herbst auffällt. Sie ist aber kräftig gebaut, dunkel, behaart und hat eine hell-dunkle Fleckenzeichnung auf dem Hinterleib. Männchen landen auf Partnersuche gern in Badewanne oder Waschbecken. Mehr dazu steht in unserem Ratgeber zur Hauswinkelspinne, und wie Sie die Nosferatu-Spinne erkennen, in einem eigenen Beitrag.

Weberknecht oder Zitterspinne? So unterscheiden Sie die Langbeiner: Weberknecht oder Zitterspinne? Der Unterschied auf einen Blick

Giftig oder harmlos? Was für Menschen gilt

Der Weberknecht hat keine Giftdrüsen und kann deshalb auch nicht giftig beißen. Sein einziges Abwehrmittel ist das Sekret der Stinkdrüsen. Es kann unangenehm riechen, ist für Menschen aber ungefährlich.

Die Zitterspinne hat wie fast alle Spinnen Gift, mit dem sie ihre Beute überwältigt. Für Menschen ist sie nach Angaben des NABU trotz der imponierenden Beinspannweite völlig ungefährlich. Das Gerücht, Zitterspinnen hätten eines der stärksten Spinnengifte, hält sich hartnäckig, ändert aber nichts daran, dass von ihnen keine Gefahr ausgeht.

Grundsätzlich gilt für die Spinnen in unseren Breiten: Sie beißen äußerst selten und ergreifen eher die Flucht oder stellen sich tot. Nur wenige Arten, etwa Dornfinger und Nosferatu-Spinne, können mit ihren Mundwerkzeugen die menschliche Haut überhaupt durchdringen. Krankheiten übertragen Spinnen nicht, schwere Giftwirkungen sind von den in Deutschland vorkommenden Arten nicht zu erwarten.

Kommt es doch einmal zu einem Spinnenbiss, etwa durch einen Dornfinger im Garten, kann sich die Stelle ähnlich wie nach einem Bienen- oder Wespenstich röten und anschwellen, manchmal fühlt sich die Haut kurz taub an. Kühlen hilft meist. Bei starker Schwellung, Kreislaufbeschwerden oder bekannter Allergieneigung gehört der Biss in ärztliche Hände, so wie jeder andere Stich auch.

Warum sie im Haus sind und warum Sie sie lassen sollten

Wenn im Herbst die Temperaturen sinken und die Luftfeuchtigkeit steigt, ziehen sich viele Spinnen in Häuser zurück. Manche suchen gezielt eine ruhige Ecke für den Winter, andere verirren sich nur. Für viele Freilandarten ist das Haus eine Falle: Sobald die Heizung läuft, sinkt die Luftfeuchtigkeit, und sie vertrocknen. Die Zitterspinne ist dagegen ein echter Ganzjahresbewohner und kommt mit dem Leben in der Wohnung gut zurecht.

Im Haus ist die Zitterspinne ein Nützling. Sie fängt lästige Insekten wie Stechmücken und Stubenfliegen. Ihre Fangfäden tragen keine Klebetropfen, sondern wirken durch ihre Struktur wie Fußangeln. Gerät Beute ins Netz, bewirft die Zitterspinne sie mit Fäden, versetzt sie in Drehung, spinnt sie ein und beißt erst zu, wenn das Opfer sich nicht mehr wehren kann. Mit dieser Technik überwältigt sie sogar große, wehrhafte Spinnen wie die Große Winkelspinne, der sie laut NABU gerade in Kellern und Kellerschächten nachstellt.

Weberknechte jagen draußen kleine Insekten und andere Gliedertiere und verwerten tote Insekten. Auch sie sind für Haus und Garten harmlos und eher nützlich.

Schonend entfernen statt bekämpfen

Das Umweltbundesamt rät, auf eine Bekämpfung von Spinnen im und am Haus generell zu verzichten. Wenn Sie ein Tier trotzdem nicht in der Wohnung haben möchten, nehmen Sie ein Glas, stülpen es darüber, schieben eine Postkarte darunter und tragen das Tier hinaus. Bei Weberknechten ist Vorsicht geboten, denn sie werfen bei grobem Anfassen schnell ein Bein ab. Fassen Sie sie deshalb nicht an den Beinen.

Eine Zitterspinne im Winter vor die Tür zu setzen, ist keine gute Idee, denn sie ist an das Leben in Gebäuden angepasst. Besser ist ein frostfreier Ort wie Keller, Abstellraum oder Garage. Störende Netze an der Decke können Sie einfach absaugen oder abfegen. Den Staubsauger richten Sie dabei aufs Netz, nicht auf das Tier.

Sprays und andere Biozide sind gegen Spinnen und Weberknechte unverhältnismäßig. Damit weniger Tiere ins Haus kommen, helfen Fliegengitter an Fenstern und Kellerfenstern und dicht schließende Türen. Das hält gleichzeitig die Insekten fern, von denen Spinnen leben. Prüfen Sie im Herbst außerdem Ritzen an Kellerfenstern, Rollladenkästen und Türschwellen und dichten Sie sie ab. Licht, das abends bei offenem Fenster brennt, lockt Insekten an und damit indirekt auch ihre Jäger.

Wann ein Kammerjäger sinnvoll ist und wann nicht

Ehrlich gesagt: Wegen Weberknechten und Zitterspinnen brauchen Sie keinen Kammerjäger, und wir bekämpfen sie auch nicht. Anders ist es, wenn auffällig viele Spinnen im Haus sitzen. Das ist oft ein Zeichen, dass sie dort reichlich Beute finden, etwa Fliegen, Silberfische oder Motten. Das Umweltbundesamt nennt die Große Winkelspinne ausdrücklich als nützlichen Jäger von Mücken, Silberfischchen und Mehlmotten. Wo viele Spinnen satt werden, lohnt sich deshalb der Blick auf die eigentliche Ursache. Silberfische behandeln wir zum Festpreis von 357 €, Motten zu 430 €, unsere Fliegenbekämpfung nennen wir Ihnen als Festpreis am Telefon. In Hamburg und im Umland sind wir meist noch am selben Tag da.

Schicken Sie uns gern ein Foto des Tieres. Oft können wir schon daran sagen, ob Sie es mit einem harmlosen Mitbewohner zu tun haben oder ob mehr dahintersteckt.

Quellen

  1. Rote-Liste-Zentrum: Weberknechte (Arachnida: Opiliones)
  2. NABU: Weberknechte, lange Beine zum Tasten
  3. NABU: Die Große Zitterspinne im Porträt
  4. NABU: Zum Herbstanfang zieht es vermehrt Spinnen ins Haus
  5. Umweltbundesamt: Spinnen
  6. Arachnologische Gesellschaft (AraGes-Wiki): Pholcus phalangioides

Stand der Angaben: 16.10.2026. Geprüft von Heiko Kirschner.

Häufige Fragen

Weberknecht oder Zitterspinne? So unterscheiden Sie die Langbeiner: häufige Fragen

Ist ein Weberknecht eine Spinne?

Nein. Der Weberknecht gehört zwar zu den Spinnentieren und hat acht Beine, ist aber keine Spinne, sondern bildet eine eigene Ordnung. Sein Körper ist rund und nicht in Vorder- und Hinterleib geteilt, er hat nur zwei Augen auf einem kleinen Augenhügel und besitzt weder Gift- noch Spinndrüsen. Deshalb baut ein Weberknecht auch keine Netze.

Ist der Weberknecht giftig?

Nein. Weberknechte haben keine Giftdrüsen und können nicht giftig beißen. Zur Abwehr besitzen sie Stinkdrüsen, deren Sekret für manche Feinde unangenehm ist, für Menschen aber ungefährlich. Weberknechte sind harmlose Nützlinge, die kleine Insekten und andere Gliedertiere fressen, manche Arten auch tote Insekten. Sie können ihn also ruhig im Garten lassen.

Ist die Zitterspinne giftig?

Die Zitterspinne hat wie fast alle Spinnen Gift, mit dem sie ihre Beute überwältigt. Für Menschen ist sie laut NABU aber völlig ungefährlich. Das verbreitete Gerücht, sie habe eines der stärksten Spinnengifte, ändert daran nichts. Spinnen in unseren Breiten beißen äußerst selten und übertragen keine Krankheiten, die Zitterspinne flüchtet oder zittert lieber.

Woran erkenne ich eine Zitterspinne?

Die Große Zitterspinne hat einen kleinen, grauweißen, fast durchsichtigen Körper von sieben bis zehn Millimetern mit länglichem Hinterleib und bis zu fünf Zentimeter lange, dünne Beine. Sie hängt kopfüber in einem lockeren, unregelmäßigen Netz unter der Zimmerdecke, oft im Bad oder Keller. Wird das Netz berührt, schwingt sie heftig hin und her.

Warum habe ich so viele Zitterspinnen im Haus?

Zitterspinnen leben bei uns fast nur in Gebäuden und sind das ganze Jahr drinnen. Sie mögen es warm und eher feucht, deshalb sitzen sie gern in Bad, Keller und ruhigen Ecken. Viele Zitterspinnen bedeuten meist, dass sie genug Beute finden. Weniger Insekten im Haus, etwa durch Fliegengitter, heißt auf Dauer auch weniger Spinnen.

Sind Zitterspinnen nützlich?

Ja. Zitterspinnen fangen lästige Insekten wie Stechmücken und Stubenfliegen. Sie überwältigen sogar große Spinnen wie die Große Winkelspinne, indem sie diese mit Fäden bewerfen, einspinnen und erst dann beißen. In Kellern stellt sie laut NABU gezielt der Hauswinkelspinne nach. Sie ist also eine kostenlose Mitbewohnerin, die Insekten kurz hält. Störende Netze können Sie einfach abfegen.

Wie entferne ich einen Weberknecht oder eine Zitterspinne schonend?

Stülpen Sie ein Glas über das Tier, schieben Sie eine Postkarte darunter und tragen Sie es hinaus. Weberknechte nicht an den Beinen anfassen, sie werfen sie bei Gefahr ab. Eine Zitterspinne setzen Sie im Winter besser in Keller oder Garage als in die Kälte, denn sie lebt nur in Gebäuden. Sprays sind unnötig.

Warum hat ein Weberknecht nur sechs oder sieben Beine?

Viele Weberknechte haben an den Beinen Sollbruchstellen. Wird ein Tier von einem Fressfeind gepackt, wirft es das Bein ab und entkommt. Deshalb sieht man im Garten häufig Weberknechte, denen ein oder zwei Beine fehlen. Fassen Sie Weberknechte deshalb möglichst nicht an, sondern nutzen Sie Glas und Postkarte.

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