Nosferatu-Spinne: erkennen, Biss einschätzen, richtig reagieren

Nosferatu-Spinne: erkennen, Biss einschätzen, richtig reagieren

Kurz beantwortet:Die Nosferatu-Spinne (Zoropsis spinimana) ist eine knapp zwei Zentimeter große Jagdspinne aus dem Mittelmeerraum, die inzwischen bundesweit und auch in Hamburg vorkommt. Ihr Biss kann die menschliche Haut durchdringen, ist nach NABU und Hamburger Umweltbehörde aber in aller Regel harmlos und etwa mit einem Wespenstich vergleichbar. Im Haus fangen Sie die Nosferatu-Spinne mit Glas und Papier und setzen sie nach draußen, einen Kammerjäger brauchen Sie dafür nicht.

Was ist die Nosferatu-Spinne?

Die Nosferatu-Spinne, wissenschaftlich Zoropsis spinimana, stammt aus dem Mittelmeerraum und gehört zur Familie der Kräuseljagdspinnen. Ihren Namen verdankt sie einer dunklen Zeichnung auf dem Vorderkörper, in der man mit etwas Fantasie den Kopf des Stummfilm-Vampirs Nosferatu von 1922 erkennt. Offiziell trägt sie diesen Namen seit 2020, und zwar nur im Deutschen.

In Deutschland wurde sie 2005 erstmals in Freiburg nachgewiesen. Von dort hat sie sich über das Rheintal nach Norden ausgebreitet, nach Einschätzung des NABU vermutlich als blinder Passagier in Autos, Bahn und Schiffen. Als der NABU im August 2022 zum Melden aufrief, gingen innerhalb weniger Wochen mehr als 25.000 Beobachtungen ein. Bis September 2026 sind es nach NABU-Angaben mehr als 78.000 Meldungen. Die Auswertung zeigte: Schon 2022 gab es gesicherte Nachweise aus allen Bundesländern, mit deutlichem Schwerpunkt im Süden und Westen.

Inzwischen kommen auch aus dem Norden mehr Funde. NABU-naturgucker nennt Schleswig-Holstein, den äußersten Nordwesten und Lübeck, wo es seit 2024 Fotobelege gibt. In Hamburg liegen laut Umweltbehörde (Stand Mai 2026) im Artenkataster vier bestätigte Nachweise vor: 2024 aus Eimsbüttel und Eppendorf, 2025 aus Volksdorf und Sasel. Die Behörde betont, dass die geringe Zahl nicht heißt, dass die Art selten ist. Sie wird schlicht noch selten erkannt und gemeldet. Als Hauptgrund für die Ausbreitung nennt sie den Klimawandel, weil mildere Winter der wärmeliebenden Spinne das Überleben weiter im Norden erleichtern.

Nosferatu-Spinne erkennen: Größe, Zeichnung, Verhalten

Ausgewachsene Weibchen erreichen knapp zwei Zentimeter Körperlänge und eine Beinspannweite von fünf bis sechs Zentimetern. Die Männchen sind kleiner. Das ist groß für eine Spinne im Haus, aber kein Rekord: Die heimische Große Winkelspinne bringt es mit ihren langen Beinen auf bis zu zehn Zentimeter.

Die Grundfarbe ist bräunlich, von hell- bis mittelbraun, der Körper wirkt kräftig und behaart. Typisch ist die dunkle Zeichnung auf dem Vorderkörper, die an ein Gesicht mit großen dunklen Augen erinnert. Wenn Sie ein Tier im Glas haben, schauen Sie zuerst auf den Vorderkörper: Diese Zeichnung ist das sicherste Merkmal für Laien.

Mindestens so verräterisch ist das Verhalten. Die Nosferatu-Spinne baut kein Fangnetz. Sie ist eine Jagdspinne, die nachts umherläuft, ihre Beute verfolgt und im Sprung überwältigt. Fäden spinnt sie nur für ihren Eikokon. Dank spezieller Hafthaare an den Beinen kann sie sogar an senkrechten Fensterscheiben laufen. Eine große Spinne, die frei an der Wand oder am Fenster sitzt, ist also verdächtig. Eine große Spinne, die in einem Netz sitzt, ist keine Nosferatu.

Nosferatu-Spinne: Körper knapp 2 cm, Beine bis 6 cm Spannweite

Nosferatu-Spinne

  • Körper knapp 2 cm, Beine bis 6 cm Spannweite
  • Bräunlich, dunkle „Gesichts“-Zeichnung vorne
  • Baut kein Fangnetz, jagt frei
  • Läuft auch an senkrechtem Glas
Große Winkelspinne: Körper 10–16 mm, Beine bis 10 cm Spannweite

Große Winkelspinne

  • Körper 10–16 mm, Beine bis 10 cm Spannweite
  • Dunkelbraun, lange, einheitlich gefärbte Beine
  • Sitzt in Trichter- und Deckennetz
  • Häufig in Bad, Keller und Garage
Vierfleckzartspinne: Deutlich kleiner: 5–9 mm Körper

Vierfleckzartspinne

  • Deutlich kleiner: 5–9 mm Körper
  • Vier schwarze, eckige Flecken auf dem Hinterleib
  • Blassgelb bis mittelbraun, Beine gescheckt
  • Zweithäufigste Verwechslung laut NABU-naturgucker

Verwechslung: Große Winkelspinne, Vierfleckzartspinne und Kreuzspinne

Nicht jede große Spinne im Herbst ist eine Nosferatu-Spinne. Die Fachleute von NABU-naturgucker haben Tausende Fotos geprüft. Nach ihrer Auswertung vom Juni 2026 entfällt die Hälfte aller Verwechslungen auf Winkelspinnen, allen voran die Große Hauswinkelspinne. Ein weiteres Viertel betrifft die Vierfleckzartspinne, der Rest verteilt sich auf viele andere Arten.

Die Große Winkelspinne ist dunkler, oft dunkelbraun bis fast schwarz, hat deutlich längere, einheitlich gefärbte Beine und lebt in einer trichterförmigen Wohnröhre mit Deckennetz in Ecken, Kellern und Garagen. Wer eine große dunkle Spinne in der Badewanne findet, hat fast immer eine Winkelspinne vor sich. Nach NABU ist sie weder giftig noch sonst gefährlich, ein Biss wäre spürbar, bliebe aber ohne Folgen.

Die Vierfleckzartspinne ist mit fünf bis neun Millimetern Körperlänge viel kleiner und trägt vier schwarze, eckige Flecken mitten auf dem Hinterleib. Gartenkreuzspinnen werden ebenfalls oft gemeldet. Sie tragen das namensgebende helle Kreuz auf dem Rücken und sitzen in ihrem Radnetz, oft außen am Fenster. Die Nosferatu-Spinne sitzt dagegen nie in einem Netz.

Nosferatu-Spinne: Verwechslung: Große Winkelspinne, Vierfleckzartspinne und Kreuzspinne

Nosferatu-Spinne Biss: Wie gefährlich ist er wirklich?

Fast alle Spinnen sind giftig, aber nur sehr wenige können mit ihren Kieferklauen die menschliche Haut durchdringen. In Deutschland gehören laut NABU die Kreuzspinnen, die Wasserspinne, der Ammen-Dornfinger und eben die Nosferatu-Spinne dazu. Sie schafft das nur an Stellen mit dünner Haut und beißt nur, wenn sie sich bedroht fühlt, etwa wenn man sie mit der Hand packt oder versehentlich drauflegt. Aggressiv ist sie nicht.

Nach Hubert Höfer von der Arachnologischen Gesellschaft, früher Abteilungsleiter am Naturkundemuseum Karlsruhe, schmerzt der Biss weniger als ein Wespenstich. Es kann zu Kribbeln oder Taubheit an der Haut kommen, seltener zu einem lokalen Schmerz. Diese Beschwerden verschwinden nach spätestens wenigen Stunden. Die Hamburger Umweltbehörde ordnet ihn ebenso ein: vergleichbar mit einem Wespenstich und medizinisch in aller Regel unproblematisch.

Wann zum Arzt? Wenn sich die Rötung großflächig ausbreitet oder andere Beschwerden dazukommen, sollten Sie sich ärztlich untersuchen lassen. Höfer rät, die Spinne nach einem Biss möglichst einzufangen und mitzunehmen, damit klar ist, welches Tier gebissen hat. Ein Glas mit Deckel reicht, es kann mit der Spinne ins Gefrierfach. Die Bissstelle sollten Sie in den Stunden danach im Blick behalten.

Rechtlich ist die Nosferatu-Spinne keine geschützte Art, der Artenschutz spielt nach Höfer hier keine Rolle. Für alle wild lebenden Tiere gilt aber das Bundesnaturschutzgesetz: Sie dürfen nicht ohne vernünftigen Grund gefangen, verletzt oder getötet werden. Eine Spinne einzufangen und nach draußen zu bringen ist dagegen völlig in Ordnung.

Nosferatu-Spinne im Haus: Warum im Herbst, und töten oder nicht?

Die Nosferatu-Spinne liebt Wärme. Im Sommer wird sie auch im Garten und an Hauswänden gefunden, spätestens im Herbst zieht es sie aber nach drinnen. Den Winter verbringt sie laut NABU gern in Gebäuden, in Wohnhäusern ebenso wie in Garagen. Die Hamburger Umweltbehörde beschreibt sie trotzdem nicht als klassischen Hausbewohner, sondern als freilebende Spinne, die sich gelegentlich in Innenräumen aufhält, weil sie dort Wärme und Beute findet. Deshalb begegnet man ihr im Herbst besonders oft im Haus.

Wenn Sie eine Nosferatu-Spinne in der Wohnung entdecken, gilt zuerst: Ruhe bewahren. Am einfachsten ist die Glas-und-Papier-Methode. Stülpen Sie ein Glas über die Spinne, schieben Sie langsam ein Stück festes Papier oder eine Postkarte zwischen Wand und Glasrand und tragen Sie das Ganze nach draußen. Setzen Sie die Spinne an einer geschützten Stelle ab, etwa an einer Hecke oder einem Holzstapel. Fassen Sie sie nicht mit bloßen Händen an, denn genau dann beißt sie.

Töten müssen Sie die Spinne nicht. Sie frisst Fliegen, Falter und andere Spinnen und hält damit Insekten klein, die Sie viel weniger im Haus haben wollen. Wenn Sie eine Beobachtung melden möchten, nimmt NABU-naturgucker Fotos über seine Nosferatu-Meldeseite an. Die Hamburger Umweltbehörde empfiehlt zusätzlich die Plattform observation.org beziehungsweise die App ObsIdentify, deren Daten in das Hamburger Artenkataster einfließen.

Brauchen Sie wegen der Nosferatu-Spinne einen Kammerjäger?

Ehrlich gesagt: in aller Regel nein. Eine einzelne Nosferatu-Spinne ist kein Befall, sondern ein Gast, und sie ist mit Glas und Papier in einer Minute wieder draußen. Spinnensprays oder eine Behandlung der Wohnung sind dafür weder nötig noch sinnvoll. Wer anruft, bekommt von uns genau diese Auskunft.

Etwas anderes ist es, wenn Sie über Wochen ungewöhnlich viele Spinnen im Haus finden, egal welcher Art. Spinnen folgen ihrer Beute. Wo sich viele Spinnen halten, gibt es meist reichlich Futter, also Fliegen, Motten, Silberfische oder andere Insekten. Dann ist die Spinne nicht das Problem, sondern ein Hinweis auf eines. In Hamburg und im Umland sind wir meist noch am selben Tag da, sehen uns an, was die Spinnen anzieht, und kümmern uns um die eigentliche Ursache. Den Festpreis für einen Einsatz nennen wir Ihnen vorab am Telefon unter 040 30099110.

Vorbeugen: So kommen weniger Spinnen ins Haus

Ganz aussperren lassen sich Spinnen nicht, und das ist auch nicht nötig. Sie können den Weg nach drinnen aber deutlich erschweren. Fliegengitter an Fenstern und Kellerfenstern halten nicht nur Spinnen draußen, sondern auch die Insekten, denen sie folgen. Undichte Türen, Spalten an Rohrdurchführungen und offene Lüftungsschlitze lassen sich mit Dichtband oder Gitter schließen.

Weniger Beute heißt weniger Spinnen. Licht zieht abends Insekten an, also lieber Fenster schließen oder Vorhänge zuziehen, wenn drinnen das Licht brennt. Keller, Garagen und Abstellräume bleiben unattraktiver, wenn dort keine Kartons, Säcke oder Holzstapel jahrelang unberührt stehen. Wer Silberfische oder Motten im Haus hat, sollte die zuerst angehen. Dann finden auch Nosferatu-Spinne und Winkelspinne weniger zu fressen und ziehen weiter.

Quellen

  1. NABU: Wohliges Gruseln: die Nosferatuspinne in Deutschland
  2. NABU: Nosferatu-Spinne fast überall verbreitet
  3. NABU-naturgucker: Nosferatu-Spinne in Deutschland
  4. NABU: Die Nosferatu-Spinne
  5. NABU: Die Große Winkelspinne
  6. dpa (via web.de): Nosferatu-Spinne auch in Norddeutschland gesichtet
  7. Apotheken Umschau: Nosferatu-Spinne: So verhält man sich nach einem Biss
  8. Pharmazeutische Zeitung: Das ist zu tun bei einem Biss der Nosferatu-Spinne

Stand der Angaben: 15.10.2026. Geprüft von Heiko Kirschner.

Häufige Fragen

Nosferatu-Spinne: häufige Fragen

Ist die Nosferatu-Spinne giftig?

Ja, wie fast alle Spinnen besitzt sie Gift, mit dem sie ihre Beute lähmt. Für Menschen ist es nach NABU und Hamburger Umweltbehörde in der Regel ungefährlich, ein Biss ist etwa mit einem Wespenstich vergleichbar.

Was passiert bei einem Biss der Nosferatu-Spinne?

Meist kribbelt die Stelle oder wird kurz taub, seltener schmerzt sie. Laut Naturkundemuseum Karlsruhe verschwinden die Beschwerden nach spätestens wenigen Stunden. Breitet sich die Rötung großflächig aus oder kommen andere Beschwerden dazu, gehen Sie zum Arzt.

Gibt es die Nosferatu-Spinne in Hamburg?

Ja. Die Hamburger Umweltbehörde führt bestätigte Nachweise aus Eimsbüttel und Eppendorf (2024) sowie aus Volksdorf und Sasel (2025). Sie geht davon aus, dass die Art häufiger vorkommt, als bisher gemeldet wird.

Baut die Nosferatu-Spinne ein Netz?

Nein. Sie ist eine Jagdspinne, die ihre Beute verfolgt und im Sprung überwältigt. Fäden spinnt sie nur für ihren Eikokon, eine große Spinne in einem Netz ist also keine Nosferatu.

Kann die Nosferatu-Spinne springen?

Sie überwältigt ihre Beute im Sprung. Menschen gegenüber ist sie nicht aggressiv und beißt nur, wenn sie sich bedrängt fühlt, etwa wenn man sie anfasst.

Darf man die Nosferatu-Spinne töten?

Sie ist keine geschützte Art. Nach dem Bundesnaturschutzgesetz dürfen wild lebende Tiere aber nicht ohne vernünftigen Grund getötet werden, und nötig ist es auch nicht: Mit Glas und Papier ist sie schnell draußen.

Wo kann ich eine Nosferatu-Spinne melden?

Auf der Nosferatu-Meldeseite von NABU-naturgucker, am besten mit Foto. In Hamburg empfiehlt die Umweltbehörde außerdem observation.org oder die App ObsIdentify, deren Funde ins Artenkataster eingehen.

Wie lange lebt eine Nosferatu-Spinne?

Nach Angaben des Naturkundemuseums Karlsruhe ist die Art einjährig. Weibchen können aber auch rund anderthalb Jahre alt werden.

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