01Warum Tauben keine Schädlinge im klassischen Sinn sind
Die Stadttaube ist eine verwilderte Haustaube und kein Schädling im klassischen Sinn. Bekämpft wird sie deshalb nicht, sie wird abgewehrt. Das ist keine Wortklauberei, sondern bestimmt das ganze Verfahren.
Tauben sind ausgesprochen standorttreu und kehren an einen einmal angenommenen Sitz-, Schlaf- oder Brutplatz zuverlässig zurück, auch nachdem sie dort gestört wurden. Wirksam ist deshalb nur, was den Platz dauerhaft unbrauchbar macht, nicht das, was die Tiere kurzzeitig verscheucht. Aus demselben Grund helfen Attrappen, Flatterbänder und reflektierende Gegenstände höchstens für ein paar Tage: Tauben gewöhnen sich an alles, was ihnen nicht körperlich im Weg steht.
02Spikes, Spanndraht oder Netz: was wo trägt
Welches System passt, entscheidet die Geometrie der Fläche. Auf schmalen Simsen, Gesimsbändern und Geländerholmen arbeiten Spikes, weil dort nur eine Linie gesichert werden muss und daneben keine Ausweichfläche bleibt. Sobald die Fläche breiter wird, laufen Spikes ins Leere, weil die Tauben schlicht davor oder dahinter landen. Spanndrahtsysteme sind die unauffälligste Lösung für lange, gerade Kanten und vom Boden aus kaum zu sehen, verlangen aber saubere Spannung und eine regelmäßige Sichtkontrolle.
Bei Balkonen, Loggien und offenen Dachterrassen ist das Netz die einzige dauerhaft wirksame Variante, weil dort nicht eine Kante, sondern ein ganzer Raum gegen Anflug geschlossen werden muss. Netze beginnen bei 350 €.
03Taubenkot gehört nicht trocken gekehrt
Taubenkot kann Krankheitserreger enthalten. Entscheidend ist die Art der Entfernung: Getrockneter Kot darf nicht trocken gekehrt, gebürstet oder abgeblasen werden, weil dabei Staub entsteht, der eingeatmet wird. Fachgerecht wird die Fläche vorher angefeuchtet, der Kot aufgenommen und der Untergrund anschließend desinfiziert. Gearbeitet wird mit Atemschutz und Schutzkleidung, auf dem Balkon genauso wie auf einem Dachboden, auf dem Kot über Jahre liegen geblieben ist.
Für Bewohner heißt das vor allem eines: Die Reinigung in Eigenregie mit Besen und Kehrblech ist die riskanteste Variante. Und gereinigt wird immer vor der Montage, sonst wird die Verschmutzung unter dem neuen System eingeschlossen.
04Denkmalschutz, Fassade und die Eigentümergemeinschaft
Zwei Dinge begrenzen in der Praxis, was montiert werden darf. Das eine ist die Fassade selbst. Bei denkmalgeschützten Gebäuden, bei Klinker- und Sichtbetonflächen oder bei frisch sanierten Wärmedämmverbundsystemen ist nicht jede Befestigung zulässig oder sinnvoll, und die Wahl fällt dann auf möglichst wenige, unauffällige Befestigungspunkte oder auf Systeme, die ohne Durchdringung auskommen.
Das andere ist die Zuständigkeit. Balkonbrüstung und Fassade gehören in der Eigentümergemeinschaft in aller Regel zum Gemeinschaftseigentum, eine Montage ist damit nichts, was einzelne Bewohner allein entscheiden. Wir stimmen uns vor der Ausführung mit Eigentümern, Verwaltung oder Hausmeisterdienst ab und halten fest, was montiert wurde.
05Hausmittel, Gewöhnungseffekt und was verboten ist
Gegen Tauben am Balkon werden viele Hausmittel empfohlen: Windspiele, Alufolie, alte CDs, Plastikraben oder Lichtreflexe. Sie alle haben dasselbe Problem, den Gewöhnungseffekt. Tauben merken nach wenigen Tagen bis Wochen, dass von dem Gegenstand keine Gefahr ausgeht, und kommen zurück. Wer dauerhaft Ruhe will, braucht eine mechanische Lösung, die das Landen oder Nisten physisch verhindert.
Dafür gibt es Taubenspikes mit stumpfen Spitzen für Fenstersimse und Geländer, Spanndrähte für Brüstungen und Netze für Balkone und Nischen. Richtig montiert verletzen sie die Tiere nicht, sie nehmen ihnen nur den Platz. Verboten ist dagegen alles, was Tieren Schmerzen oder Leiden zufügt: Gift, Klebepasten, an denen Vögel festkleben, und das Töten von Tauben durch Privatpersonen. Achten Sie beim Anbringen darauf, dass sich keine Vögel im Netz verfangen können, und entfernen Sie Nester nur, wenn keine Eier oder Jungvögel darin sind. Im Zweifel klären wir das vor Ort.