Stinkwanzen im Haus: Welche Wanzen jetzt reinkommen und was hilft

Stinkwanzen im Haus: Welche Wanzen jetzt reinkommen und was hilft

Kurz beantwortet:Stinkwanzen im Haus sind meist Grüne Stinkwanzen, Marmorierte Baumwanzen oder Amerikanische Kiefernwanzen, die im Herbst ein Winterquartier suchen. Sie stechen keine Menschen, übertragen keine Krankheiten und vermehren sich nicht in der Wohnung. Fangen Sie sie mit Glas und Pappe, ohne sie zu zerdrücken, und bringen Sie sie nach draußen. Gift ist nicht nötig.

Warum im Herbst so viele Wanzen ins Haus kommen

In unseren Breiten überwintern die meisten Wanzen als erwachsene Tiere. Ab Ende September suchen sie dafür geschützte Plätze: Ritzen und Spalten im Mauerwerk, Baumrinde, Falllaub. Ein Haus mit warmer Fassade, Rollladenkästen und gekippten Fenstern bietet davon reichlich. So erklärt es auch das Umweltbundesamt: In warmen Jahren, wenn viele Wanzen im Garten leben, verirren sich zum Herbst hin Tiere auf der Suche nach einem warmen Platz ins Haus.

Wie viele es werden, hängt vom Sommer ab. Der NABU beschreibt den Herbst 2018, als nach einem trockenwarmen Sommer ungewöhnlich viele Stinkwanzen Häuser regelrecht belagerten und es sogar ins Fernsehen schafften. Auch die Amerikanische Kiefernwanze trat nach dem heißen Sommer 2018 in größerer Zahl auf und kam verstärkt in Wohnungen. In diesem Herbst ist das Thema wieder in den Medien, auch in Hamburg.

An sonnigen Herbsttagen sitzen die Tiere oft auf der hellen Hauswand und tanken Wärme. Von dort ist es nur ein kurzer Flug durch das gekippte Fenster. Drinnen landen sie an Gardinen, Fensterrahmen und Lampen. Das wirkt wie ein Befall, ist aber keiner: Die Wanzen suchen nur ein Quartier für den Winter.

Grüne Stinkwanze, Grüne Reiswanze und Co.: Welche Wanze ist das?

Die Grüne Stinkwanze ist der häufigste Herbstgast. Sie wird 12 bis 14 Millimeter lang. Im Sommer ist sie leuchtend grün mit kleinen schwarzen Punkten, zum Herbst wird sie bräunlich, weil sie einen roten Farbstoff einlagert. Viele halten die braunen Tiere im Oktober deshalb für eine andere Art. Sie lebt in Gärten, Wäldern und Wiesen und saugt an Pflanzen, gern an reifen Beeren.

Die Grüne Reiswanze sieht ihr sehr ähnlich. Sie stammt ursprünglich aus Ostafrika und ist vor allem am Rhein und im Neckarraum verbreitet. Erkennen können Sie sie an drei weißen Punkten in einer Reihe hinter dem Halsschild, rechts und links jeweils von einem schwarzen Punkt begrenzt. Der durchsichtige Teil der Flügel wirkt bei ihr weiß oder grünlich, bei der Grünen Stinkwanze dunkel. Für den Winter sucht die Reiswanze laut dem Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg nur vereinzelt Gebäude auf.

Die Marmorierte Baumwanze ist graubraun marmoriert, hat hinter dem Halsschild vier bis fünf helle Punkte und schwarz-weiß geringelte Fühler. Sie breitet sich über Autos und Warentransporte aus, und laut dem Technologiezentrum bauen sich auch in Hamburg Populationen auf. Alles Weitere zu ihr steht in unserem Ratgeber „Marmorierte Baumwanze“. Die Amerikanische Kiefernwanze wird bis 20 Millimeter lang, ist rötlich bis schwarzbraun und an blattartig verbreiterten Hinterbeinen sofort zu erkennen. Feuerwanzen mit ihrer rot-schwarzen Zeichnung sitzen dagegen in Gruppen am Fuß von Linden und Malven und überwintern im Boden, nicht im Haus. Die braune Lederwanze lebt vor allem an Ampfer und wird im Spätherbst fast schwarz.

Neu in vielen Städten ist die Lindenwanze. Sie stammt aus dem Mittelmeerraum, wird bis zu sechs Millimeter groß, hat einen schwarzen Kopf, rötliche Flügeldecken und eine silbrig-weiße Flügelmembran. Laut Umweltbundesamt sitzt sie im Frühjahr und Herbst oft in sehr großer Zahl an Winterlinden, an angrenzenden Fassaden und auf Balkonen und fliegt auf der Suche nach einem Winterquartier auch in Wohnungen. Auch sie ist kein Schädling und für Menschen ungefährlich.

Grüne Stinkwanze: 12 bis 14 mm, schildförmig

Grüne Stinkwanze

  • 12 bis 14 mm, schildförmig
  • Im Sommer grün, im Herbst braun
  • Saugt an Pflanzen, sticht nicht
  • Sitzt tagsüber am Fenster
Marmorierte Baumwanze: Etwa 15 mm, braungrau marmoriert

Marmorierte Baumwanze

  • Etwa 15 mm, braungrau marmoriert
  • 4 bis 5 helle Punkte hinter dem Halsschild
  • Fühler schwarz-weiß geringelt
  • Überwintert gern in Gebäuden
Bettwanze: 5 bis 6 mm, flach, rotbraun

Bettwanze

  • 5 bis 6 mm, flach, rotbraun
  • Kann nicht fliegen
  • Versteckt sich in Bett und Ritzen
  • Sticht nachts, oft in einer Reihe

Harmlose Wanze oder Bettwanze? Der wichtigste Unterschied

Die Sorge hinter vielen Anrufen ist eine andere: Ist das vielleicht eine Bettwanze? Die Antwort ist fast immer schnell klar. Stinkwanzen sind schildförmig, meist deutlich länger als einen Zentimeter, können fliegen und sitzen tagsüber sichtbar am Fenster oder an der Wand. Sie saugen Pflanzensaft. Menschen interessieren sie nicht.

Bettwanzen sind laut Umweltbundesamt fünf bis sechs Millimeter groß, stark abgeplattet und rotbraun. Ihre Flügel sind zurückgebildet, sie können nicht fliegen. Sie sind nachtaktiv, verstecken sich tagsüber in Bett, Möbelfugen, hinter Bildern und Fußleisten und saugen Blut. Typisch sind mehrere Stiche in einer Reihe. Eine Wanze, die am Nachmittag über die Fensterscheibe läuft oder durchs Zimmer fliegt, ist keine Bettwanze.

Wenn Sie doch unsicher sind: Fangen Sie das Tier in einem Glas oder Gefrierbeutel und vergleichen Sie es mit den Bildern in unserem Ratgeber „Bettwanzen erkennen“. Schauen Sie außerdem an der Matratzennaht nach dunklen Kotpunkten. Finden Sie dort nichts und haben Sie keine Stiche, können Sie beruhigt sein.

Stinkwanzen im Haus: Harmlose Wanze oder Bettwanze? Der wichtigste Unterschied

Sind Stinkwanzen gefährlich?

Nein. Das Umweltbundesamt stellt klar, dass Grüne Stinkwanze, Feuerwanze und ähnliche Arten keine menschlichen Parasiten sind und keine Krankheiten übertragen. Sie haben keine Beiß- und Kauwerkzeuge, sondern einen Saugrüssel, den sie unter dem Körper eingeklappt tragen. Zimmerpflanzen schädigen sie ebenfalls nicht nennenswert. In der Wohnung vermehren sie sich nicht. Die Eiablage findet im Frühsommer draußen an Pflanzen statt.

Unangenehm ist allein der Geruch. Wanzen besitzen Stinkdrüsen und geben bei Gefahr ein Sekret ab, das Vögel und andere Feinde abschrecken soll. Wer eine Wanze zerdrückt oder anfasst, hat diesen Geruch an den Fingern, auf dem Fensterbrett oder im Vorhang. Deshalb rät das Umweltbundesamt, Stinkwanzen nicht zu berühren.

Anders sieht es im Garten aus. Marmorierte Baumwanze und Grüne Reiswanze saugen an Obst und Gemüse, angestochene Früchte bekommen Flecken und werden schwammig. Im Erwerbsobstbau kann das zu großen Ernteverlusten führen. Im Hausgarten ist das ärgerlich, für Ihr Haus aber ohne Bedeutung.

Stinkwanzen loswerden, ohne dass es stinkt

Die beste Methode ist die einfachste. Stülpen Sie ein Glas über die Wanze, schieben Sie ein Stück Pappe darunter und bringen Sie das Tier nach draußen. Das empfiehlt das Umweltbundesamt, und es funktioniert ohne Geruch, solange Sie die Wanze nicht quetschen. Sitzen mehrere Tiere zusammen, kehren Sie sie nach einem Tipp des NABU mit einem weichen Handbesen auf eine Kehrschaufel. Rechnen Sie damit, dass manche losfliegen. Wanzen sind gute Flieger.

Wohin mit den Tieren? Am besten in einen ungeheizten Schuppen, eine Garage oder unter eine Hecke. Der NABU rät, Wintergäste aus beheizten Räumen nicht im Warmen zu lassen, weil sie sonst zur falschen Zeit munter werden und ohne Nahrung verhungern. Ein kühles, geschütztes Quartier ist für sie die bessere Wahl.

Was Sie lassen sollten: Insektenspray. Das Umweltbundesamt rät ausdrücklich davon ab, die harmlosen Wanzen im Haus oder draußen mit Insektiziden zu bekämpfen. Auch den Staubsauger lassen Sie besser stehen, denn bedrängte Wanzen geben ihr Sekret ab, und der Geruch landet im Gerät.

Vorbeugen: Fliegengitter, Fugen, Rollladenkasten

Vorbeugen ist bei Wanzen eine Frage des Timings. Ab Ende September beginnt die Quartiersuche. Wer bis dahin Fliegengitter an den Fenstern hat, die tagsüber gekippt sind, hält die meisten Tiere draußen. Das gilt besonders für Fenster auf der Sonnenseite, an denen sich die Wanzen sammeln.

Schauen Sie danach auf die Ritzen. Undichte Fugen an Fensterrahmen, offene Rollladenkästen, Spalten an Dachüberständen und um Kabeldurchführungen sind genau die Verstecke, die Wanzen suchen. Was sich mit Dichtband, Bürstendichtung oder Fugenmasse schließen lässt, sollten Sie schließen. Das hält nebenbei auch Asiatische Marienkäfer und Florfliegen draußen, die zur selben Zeit Quartier suchen. Mehr dazu steht in unserem Ratgeber „Asiatischer Marienkäfer“.

Kontrollieren Sie im Herbst außerdem Gartenmöbelpolster, Sonnenschirme und Pflanzkübel, bevor sie ins Haus oder in den Keller wandern. Wanzen sitzen gern in Falten und unter Rändern und reisen so unbemerkt mit.

Ein Sonderfall ist das Brennholz. Mit Holzscheiten gelangt im Winter gelegentlich die Gemeine Bodenwanze ins Haus. Sie wird bis zu acht Millimeter lang, ist schlank und kontrastreich schwarz, weiß und rotbraun gefärbt, mit einem schwarzen Dreieck auf dem Halsschild. Laien verwechseln sie laut Umweltbundesamt manchmal mit dem Hausbockkäfer, der größer und schwarzbraun ist. Die Bodenwanze schadet weder Holz noch Möbeln. Lagern Sie Kaminholz trotzdem draußen oder im Schuppen und holen Sie nur die Menge herein, die Sie am selben Tag verfeuern.

Wann ein Fachbetrieb sinnvoll ist

Ehrlich gesagt: Für Stinkwanzen brauchen Sie keinen Kammerjäger. Sie richten keinen Schaden an, vermehren sich nicht im Haus und verlassen ihr Winterversteck im Frühjahr, sobald es draußen wärmer als etwa zehn Grad wird. Eine Bekämpfung mit Insektiziden wäre weder nötig noch sinnvoll. Anders ist es, wenn Sie nicht sicher sind, was da krabbelt. Sind es doch Bettwanzen, zählt jeder Tag. In Hamburg und im Umland sind wir meist noch am selben Tag da und schauen uns das an. Die Erstinspektion kostet 80 Euro und wird bei Auftrag verrechnet, eine Bettwanzenbehandlung bieten wir ab 430 Euro zum Festpreis an. Stellt sich heraus, dass es nur Stinkwanzen sind, sagen wir Ihnen das auch so.

Dasselbe gilt für Käfer und andere Krabbeltiere, die im Herbst am Fenster auftauchen. Asiatische Marienkäfer, Florfliegen und Kellerasseln suchen zur selben Zeit Quartier und sind ebenso harmlos. Schicken Sie uns bei Unsicherheit gern vorab ein scharfes Foto, oft lässt sich die Frage dann schon am Telefon klären.

Quellen

  1. Umweltbundesamt: Wanzen
  2. Umweltbundesamt: Bettwanzen
  3. NABU: Stinkwanzen und Kiefernwanzen, unerwartete Herbstgäste
  4. NABU Schleswig-Holstein: Nordamerikanische Zapfen- bzw. Kiefernwanze
  5. NABU: Artenporträt Grüne Stinkwanze
  6. LTZ Augustenberg: Hinweise zur Pflanzengesundheit, Grüne Reiswanze
  7. LTZ Augustenberg: Hinweise zur Pflanzengesundheit, Marmorierte Baumwanze
  8. AGES: Marmorierte Baumwanze

Stand der Angaben: 16.10.2026. Geprüft von Heiko Kirschner.

Häufige Fragen

Stinkwanzen im Haus: häufige Fragen

Was hilft gegen Stinkwanzen im Haus?

Fangen Sie die Wanzen mit einem Glas und einem Stück Pappe und bringen Sie sie nach draußen, am besten in einen kühlen Schuppen oder unter eine Hecke. Mehrere Tiere kehren Sie mit einem weichen Handbesen zusammen. Zerdrücken Sie sie nicht, sonst riecht es. Gegen Nachschub helfen Fliegengitter ab Ende September und abgedichtete Fugen. Insektenspray ist laut Umweltbundesamt nicht nötig.

Sind Stinkwanzen gefährlich?

Nein. Stinkwanzen saugen Pflanzensaft, stechen keine Menschen und übertragen laut Umweltbundesamt keine Krankheiten. Auch Zimmerpflanzen schädigen sie nicht nennenswert, und in der Wohnung vermehren sie sich nicht. Lästig ist nur ihr Abwehrsekret, das unangenehm riecht, wenn Sie die Tiere anfassen oder zerdrücken. Für Haustiere sind sie ebenfalls keine Gefahr.

Können Stinkwanzen stechen oder beißen?

Menschen stechen sie nicht. Wanzen haben keine Beißwerkzeuge, sondern einen Saugrüssel, den sie unter dem Körper eingeklappt tragen. Damit saugen Stinkwanzen an Pflanzen, Beeren und Früchten. Blut saugen in Wohnungen nur wenige Arten, allen voran die Bettwanze. Haben Sie juckende Stiche, liegt die Ursache also woanders, und ein genauer Blick ins Bett lohnt sich.

Warum riechen Stinkwanzen so?

Wanzen besitzen Stinkdrüsen. Bei Gefahr geben sie ein Sekret ab, das Feinde wie Vögel abschrecken soll. Für Menschen ist es harmlos, aber der Geruch haftet hartnäckig an Fingern, Textilien und Fensterbrettern. Deshalb fassen Sie Stinkwanzen nicht an und zerdrücken sie nicht. Glas und Pappe sind die geruchlose Methode, sie loszuwerden.

Woran erkenne ich die Grüne Reiswanze?

Die Grüne Reiswanze hat hinter dem Halsschild drei weiße Punkte in einer Reihe, rechts und links jeweils von einem schwarzen Punkt begrenzt. Der durchsichtige Teil ihrer Flügel wirkt weiß oder grünlich, bei der Grünen Stinkwanze dagegen dunkel. Sie ist etwas länglicher. In Deutschland lebt sie vor allem am Rhein und im Neckarraum und sucht nur vereinzelt Gebäude auf.

Warum ist die Grüne Stinkwanze im Herbst braun?

Die Grüne Stinkwanze lagert bei fallenden Temperaturen einen roten Farbstoff ein. Dadurch wird sie im Herbst bräunlich und trägt ein Winterkleid, das im kahlen Laub weniger auffällt. Die braunen Wanzen am Fenster im Oktober sind deshalb oft dieselbe Art, die Sie im Sommer grün im Garten gesehen haben.

Woran merke ich, ob es doch Bettwanzen sind?

Bettwanzen sind nur fünf bis sechs Millimeter groß, flach, rotbraun und können nicht fliegen. Sie verstecken sich tagsüber in Bett, Möbelfugen und hinter Fußleisten und stechen nachts, oft mehrfach in einer Reihe. Dunkle Kotpunkte an der Matratzennaht sind ein typisches Zeichen. Eine Wanze, die tagsüber am Fenster sitzt oder fliegt, ist keine Bettwanze.

Legen Stinkwanzen Eier in der Wohnung?

Nein. Die Wanzen kommen als erwachsene Tiere nur zum Überwintern ins Haus und halten dort Winterruhe. Gepaart wird im Frühjahr, die Eier legen sie im Frühsommer draußen an Pflanzen ab, bei der Marmorierten Baumwanze und der Grünen Reiswanze etwa ab Mai oder Juni. In der Wohnung finden sie dafür weder Futter noch passende Pflanzen.

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