Marmorierte Baumwanze: erkennen, einordnen und richtig loswerden

Kurz beantwortet:Die Marmorierte Baumwanze (Halyomorpha halys) ist eine aus Ostasien eingeschleppte Stinkwanze, die ab Ende September Winterquartiere an und in Häusern sucht. Für Menschen ist sie harmlos: Sie sticht und beißt nicht, gibt bei Bedrohung aber ein übel riechendes Sekret ab. Zerdrücken Sie die Tiere nicht, sondern bringen Sie sie nach draußen oder saugen Sie sie ab und dichten Sie Ritzen an Fenstern und Rollladenkästen ab.
Was ist die Marmorierte Baumwanze?
Die Marmorierte Baumwanze (Halyomorpha halys) stammt aus Ostasien, aus China, Taiwan, Korea und Japan. Mit Transportkisten und Waren kam sie zuerst nach Nordamerika und um 2004 in die Schweiz. In Deutschland wurde sie 2011 erstmals in Konstanz am Bodensee gefunden. Seitdem breitet sie sich aus, vor allem im Südwesten, am Oberrhein, am mittleren Neckar und rund um München.
Im Norden ist sie längst angekommen. Das Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels führt den ersten Nachweis in Hamburg für 2015, seit 2018 folgten weitere. Das Landwirtschaftliche Technologiezentrum Augustenberg beschreibt, dass sich Populationen in Städten wie Berlin, Hannover, Leipzig, Dresden und Hamburg aufbauen, weit weg vom Hauptverbreitungsgebiet. Es gibt keine klare Ausbreitungsfront. Die Wanze reist als blinder Passagier mit Fahrzeugen und Warenlieferungen und gründet so immer neue, punktförmige Vorkommen.
Nördlich der Alpen bildet sie eine Generation im Jahr. Sinkt die Temperatur unter etwa 9 Grad und werden die Tage kürzer als 14 Stunden, geht sie in Winterruhe. Deshalb sucht sie ab Ende September geschützte Ritzen. Draußen sind das Baumrinde und Mauerspalten, in der Stadt sehr oft Fensterrahmen, Rollladenkästen, Dachböden und Gartenhäuser.
Marmorierte Baumwanze erkennen: die sicheren Merkmale
Die erwachsene Wanze ist 12 bis 17 Millimeter lang, breitschultrig und auf den ersten Blick käferähnlich. Die Oberseite ist braun-grau und fein dunkel marmoriert. Am seitlichen Rand des Hinterleibs sieht man ein schwarz-weißes Muster, die Fühler sind schwarz-weiß geringelt.
Das sicherste Merkmal für Laien ist eine Reihe von drei bis fünf hellen Punkten direkt hinter dem Halsschild, also vorne auf dem Rücken. Dazu kommt das durchsichtige Flügelende: Bei der Marmorierten Baumwanze trägt es dunkle Striche. Wer die Wanze vorsichtig umdreht, sieht eine einfarbig helle, beige Unterseite ohne Punkte und ohne Dorn zwischen den Beinen.
Die Jungtiere sehen ganz anders aus. Im ersten Stadium sind sie leuchtend rot mit schwarzen Flecken, später sehr dunkel und ohne Marmorierung. Sie sitzen im Sommer in Gruppen an Blattunterseiten im Garten. Im Haus begegnen Ihnen im Herbst nur die erwachsenen Tiere, denn nur sie überwintern.
Eine einfache Lupe reicht für die Bestimmung. Machen Sie im Zweifel ein Foto von oben und von unten. Damit können wir oder ein Pflanzenschutzdienst die Art sicher bestätigen.
Marmorierte Baumwanze
- 12–17 mm, braun-grau marmoriert
- 3–5 helle Punkte hinter dem Halsschild
- Flügelspitzen mit dunklen Strichen
- Bauch hell beige, ohne Punkte und Dorn
Graue Gartenwanze
- Heimische Art, insgesamt dunkler
- Keine hellen Punkte auf dem Rücken
- Flügelspitzen dunkel gepunktet
- Bauch schwarz gepunktet, mit Dorn
Grüne Stinkwanze
- Heimische Art, 12–14 mm
- Im Sommer leuchtend grün
- Im Herbst rotbraun bis braun
- Kommt ebenfalls zum Überwintern ins Haus
Verwechslung mit Grauer Gartenwanze und Grüner Stinkwanze
Am häufigsten wird die Marmorierte Baumwanze mit der heimischen Grauen Gartenwanze (Rhaphigaster nebulosa) verwechselt. Beide sind grau-braun und ähnlich groß. Die Gartenwanze ist insgesamt dunkler, hat keine hellen Punkte hinter dem Halsschild, und ihr transparentes Flügelende ist gepunktet statt gestrichelt. Ihre Unterseite ist schwarz gepunktet und trägt zwischen den Beinen einen Dorn. Auch an den Fühlern gibt es einen Unterschied: Bei der Marmorierten Baumwanze ist schon der Übergang zwischen den letzten beiden Fühlergliedern weiß, bei der Gartenwanze beginnt das Weiß erst danach.
Die zweite Kandidatin ist die Grüne Stinkwanze (Palomena prasina). Sie wird 12 bis 14 Millimeter lang und ist im Sommer leuchtend grün mit feinen schwarzen Pünktchen. Vor der Überwinterung färbt sie sich rotbraun bis braun. Genau in dieser Phase, ab Ende September, kommt auch sie gern in Wohnungen. Viele halten die braunen Tiere dann für die eingeschleppte Art.
Für Ihr Vorgehen im Haus macht die Art kaum einen Unterschied. Alle drei sind Baumwanzen, alle drei stinken bei Bedrohung und keine ist für Menschen gefährlich. Wichtig ist die Bestimmung vor allem für Gärtner und Obstbauern, weil nur die Marmorierte Baumwanze größere Ernteschäden verursacht.

Sind Stinkwanzen im Haus gefährlich?
Nein. Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft schreibt es klar: Die Wanzen stechen und beißen nicht. Sie übertragen keine Krankheiten, fressen keine Vorräte und beschädigen weder Möbel noch Textilien. Auch die österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit nennt die Tiere an Häusern lästig, aber ungefährlich.
Lästig ist vor allem der Geruch. Fühlt sich eine Baumwanze bedroht oder wird sie zerdrückt, gibt sie ein Abwehrsekret ab, das sehr streng riecht. Daher der Name Stinkwanze. Im Raum vermehren sich die Tiere nicht. Paarung und Eiablage finden ab Mai draußen an Pflanzen statt, die Eier liegen in kleinen Gelegen auf Blattunterseiten.
Anders sieht es im Garten und im Erwerbsanbau aus. Die Marmorierte Baumwanze saugt an mehr als 300 Pflanzenarten, besonders an Äpfeln, Birnen, Kirschen, Pfirsichen, Himbeeren, Paprika und Tomaten. An den Einstichstellen entstehen dunkle, eingesunkene Flecken, bei Tomaten und Paprika helle, schwammige Stellen. In der Schweiz und in Italien gehen die Schäden im Obstbau inzwischen in die Millionen. Sie ist kein Quarantäneschädling, weil eine Ausrottung nicht mehr möglich ist. Wer in Hamburg einen Obstgarten oder Gemüsebeete hat, sollte die Art trotzdem kennen.
Stinkwanzen im Haus: Was Sie selbst tun können
Einzelne Tiere lassen Sie am besten auf ein Blatt Papier krabbeln oder stülpen ein Glas darüber, schieben eine Karte darunter und setzen die Wanze draußen ab. So gibt es keinen Gestank. Was Sie nicht tun sollten: zerdrücken, mit dem Taschentuch greifen oder mit dem Hausschuh erschlagen. Dann bleibt der Geruch im Raum und oft auch ein Fleck auf Gardine oder Wand.
Sitzen viele Wanzen am Fensterrahmen oder unter der Decke, hilft der Staubsauger. Ein bewährter Trick aus der Praxis: Stecken Sie einen dünnen Nylonstrumpf in das Saugrohr und sichern Sie ihn außen mit einem Gummiband. Die Wanzen landen im Strumpf statt im Beutel. Den Strumpf ziehen Sie draußen ab, knoten ihn zu und entsorgen ihn mit dem Restmüll. Saugen Sie ohne Strumpf, bringen Sie den Beutel gleich danach nach draußen, sonst riecht das Gerät noch tagelang.
Insektenspray brauchen Sie in der Wohnung nicht. Die Tiere fressen im Winter nicht und vermehren sich drinnen nicht. Viel wirksamer ist es, die Einflugstellen zu finden. Schauen Sie, wo die Tiere herkommen: Rollladenkasten, Fensterfalz, Lüftungsgitter, Kabeldurchführungen oder der Spalt unter der Balkontür.
Funde in Norddeutschland können Sie freiwillig über das Meldeportal neobiota-nord melden. Die Daten helfen der Forschung, die Ausbreitung im Norden zu verfolgen.
Wann lohnt sich ein Fachbetrieb?
Bei ein paar Wanzen im Wohnzimmer brauchen Sie keinen Kammerjäger. Anders ist es, wenn sich jeden Herbst Hunderte Tiere an einer sonnigen Fassade sammeln, auf dem Dachboden überwintern oder ein Hotel, Büro oder Lager betroffen ist. Auch das Landwirtschaftliche Technologiezentrum Augustenberg beschreibt, dass sich Baumwanzen im Winter in Gebäuden, Kellern und auf Dachböden in größerer Zahl sammeln und dann ein Fall für den Schädlingsbekämpfer werden können. Wir prüfen dann vor allem, wo die Tiere hineinkommen, und verschließen die Wege dauerhaft, auch in der Höhe. In Hamburg und im Umland sind wir meist noch am selben Tag da, den Preis für Wanzen außer Bettwanzen nennen wir Ihnen als Festpreis am Telefon.
Vorbeugen: So bleibt die Baumwanze draußen
Der richtige Zeitpunkt ist der Spätsommer. Bevor die Wanzen ab Ende September Quartiere suchen, sollten Fliegengitter an Fenstern und Dachfenstern sitzen, die oft offen stehen. Prüfen Sie die Bürstendichtungen an Rollladenkästen und Gurtdurchführungen, und schließen Sie Fugen an Fensterbänken und Kabeldurchführungen mit Acryl oder Silikon.
Gartenmöbel, Polster, Sonnenschirme und Kübelpflanzen, die im Herbst ins Haus oder in den Keller wandern, schütteln Sie vorher draußen aus. Dort verstecken sich die Tiere gern. Gleiches gilt für Kartons und Kisten aus Schuppen und Garage. So vermeiden Sie, dass Sie die Wanzen selbst hereintragen.
Im Frühjahr werden die Tiere ab etwa 10 Grad wieder aktiv und wollen nach draußen. Öffnen Sie dann das Fenster, statt zu sprühen. Wer Obst oder Gemüse anbaut, kontrolliert im Sommer die Blattunterseiten auf Eigelege und Larvengruppen und entfernt sie früh, das ist im Hausgarten die einfachste Maßnahme.
Quellen
- LTZ Augustenberg: Pflanzengesundheit: Marmorierte Baumwanze (PDF)
- LfL Bayern: Neue Schadwanzen auf dem Vormarsch
- AGES: Marmorierte Baumwanze
- Neobiota-Nord: Marmorierte Baumwanze
- VBIO: Meldeportal gebietsfremder Arten auf Norddeutschland erweitert
- NABU: Artenporträt Grüne Stinkwanze
Stand der Angaben: 02.10.2026. Geprüft von Heiko Kirschner.
Marmorierte Baumwanze: häufige Fragen
Ist die Marmorierte Baumwanze gefährlich für Menschen?
Nein. Sie sticht und beißt nicht, überträgt keine Krankheiten und beschädigt nichts im Haus. Lästig ist nur der strenge Geruch, wenn sie sich bedroht fühlt oder zerdrückt wird.
Warum kommen Stinkwanzen im Herbst ins Haus?
Bei Temperaturen unter etwa 9 Grad und kürzer werdenden Tagen suchen Baumwanzen ab Ende September geschützte Winterquartiere. Ritzen an Fenstern, Rollladenkästen und Dachböden sind dafür ideal.
Wie unterscheide ich die Marmorierte Baumwanze von der Grauen Gartenwanze?
Die Marmorierte Baumwanze hat drei bis fünf helle Punkte hinter dem Halsschild, gestrichelte Flügelspitzen und eine helle Unterseite ohne Dorn. Die Graue Gartenwanze hat keine hellen Punkte, gepunktete Flügelspitzen und einen schwarz gepunkteten Bauch mit Dorn.
Vermehren sich Baumwanzen in der Wohnung?
Nein. Im Haus überwintern nur erwachsene Tiere. Paarung und Eiablage finden ab Mai draußen an Pflanzen statt.
Darf ich Stinkwanzen mit dem Staubsauger aufsaugen?
Ja, bei vielen Tieren ist das die praktischste Lösung. Am besten stecken Sie einen Nylonstrumpf ins Saugrohr, sonst sollten Sie den Beutel sofort nach draußen bringen, damit der Geruch nicht im Gerät bleibt.
Gibt es die Marmorierte Baumwanze auch in Hamburg?
Ja. Der erste Nachweis in Hamburg stammt von 2015, seit 2018 gibt es weitere Funde. Fachbehörden beschreiben, dass sich in mehreren norddeutschen Städten Populationen aufbauen.
Wie lange bleiben die Wanzen im Haus?
Meist bis zum Frühjahr. Ab etwa 10 Grad werden sie wieder aktiv und suchen den Weg nach draußen, dann reicht oft ein offenes Fenster.