Kein Rattengift mehr im Baumarkt: Was sich 2026 geändert hat

Kurz beantwortet:Seit dem 26. April 2026 darf der Handel Rattengift mit dem Wirkstoff Coumatetralyl nicht mehr an Privatpersonen abgeben. Grundlage ist die EU-Biozidverordnung, in Deutschland umgesetzt von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). Restbestände dürfen innerhalb der Aufbrauchfrist von 180 Tagen noch verwendet werden, also bis einschließlich 22. Oktober 2026. Blutgerinnungshemmende Rattengifte setzen künftig nur noch sachkundige Schädlingsbekämpfer ein.
Rattengift verboten: Warum es im Baumarkt keins mehr gibt
Seit dem Frühjahr hören wir am Telefon immer wieder denselben Satz: „Im Baumarkt gibt es kein Rattengift mehr.“ Das stimmt. Der Handel durfte Rattengift mit dem Wirkstoff Coumatetralyl nur noch bis zum 25. April 2026 an Privatkunden verkaufen. Seit dem 26. April ist die Abgabe an Endverbraucher nicht mehr erlaubt. Coumatetralyl steckte in vielen der gängigen Köder, die bis dahin frei im Regal standen.
Hintergrund ist die EU-Biozidverordnung (Verordnung Nr. 528/2012). Zulassungen für Rattengifte gelten nur für eine begrenzte Zeit und müssen regelmäßig verlängert werden. Bei der aktuellen Verlängerung hat die zuständige Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) die Zulassung für den Verkauf an die breite Öffentlichkeit nicht mehr erteilt. Für die übrigen blutgerinnungshemmenden Wirkstoffe geht die Entwicklung in dieselbe Richtung: Sie sind künftig nur noch für geschulte berufsmäßige Verwender mit Sachkunde vorgesehen.
Der Grund liegt in der Wirkungsweise. Diese Gifte, fachlich Antikoagulanzien genannt, hemmen die Blutgerinnung und wirken erst nach mehreren Tagen. Sie werden in der Umwelt nur langsam abgebaut und reichern sich in der Nahrungskette an. Frisst ein Greifvogel, ein Fuchs, ein Hund oder eine Katze eine vergiftete Ratte, nimmt das Tier den Wirkstoff mit auf. Genau diese Nebenwirkung auf Nicht-Zieltiere soll die neue Regelung verhindern.
Frist im Oktober: Ab wann Rattengift nicht mehr ausgelegt werden darf
Bis zum 25. April 2026 durfte der Handel Rattengift mit Coumatetralyl noch an Privatkunden abverkaufen. Seit dem 26. April 2026 ist damit Schluss, auch im Onlinehandel dürfen Händler diese Produkte nicht mehr an Endverbraucher abgeben.
Wer noch eine angebrochene Packung im Keller hat, darf sie innerhalb der Aufbrauchfrist von 180 Tagen verwenden, und zwar nur so, wie es die Gebrauchsanweisung vorschreibt. Diese Frist endet am 22. Oktober 2026. Danach dürfen Privatleute die Reste nicht mehr ausbringen. Sie gehören dann in den Sondermüll, in Hamburg also zur Schadstoffsammlung der Stadtreinigung und keinesfalls in den Hausmüll oder die Toilette.
Seit dem 1. Juli 2026 gelten auch für Fachbetriebe strengere Regeln. Die sogenannte befallsunabhängige Dauerbeköderung ist nicht mehr vorgesehen, also das vorsorgliche Auslegen von Giftködern, obwohl gar kein Befall festgestellt wurde. Vor jedem Einsatz blutgerinnungshemmender Köder steht jetzt eine Befallsermittlung. In einem Abstand von fünf Metern zu Gewässern, Gräben, Gullys und Abläufen dürfen die Köder nur noch in manipulationssicheren Köderschutzstationen liegen, die den Kontakt mit Wasser verhindern.
Rattengift aus dem Handel
- Abgabe an Privatkunden bis 25. April 2026
- Restbestände nur bis 22. Oktober 2026
- Danach Entsorgung als Sondermüll
- Kein Nachkauf mehr möglich
Schlagfalle
- Nur in Innenräumen sinnvoll
- Hilft bei einzelnen Tieren
- Täglich kontrollieren
- Ratten meiden neue Gegenstände oft tagelang
Bekämpfung durch den Fachbetrieb
- Befallsermittlung vor jedem Gifteinsatz
- Köder nur in verschlossenen Stationen
- Eintrittswege werden gefunden und verschlossen
- Dokumentation für Behörde und Vermieter
Welches Rattengift ist noch erlaubt?
Für Privatleute lautet die Antwort nach dem 22. Oktober 2026: keines mit blutgerinnungshemmendem Wirkstoff. Die BAuA hat entschieden, die Zulassung antikoagulanter Rodentizide für die breite Öffentlichkeit nicht zu verlängern. Betroffen ist ein Produkt, das unter verschiedenen Handelsnamen verkauft wurde. Es durfte bis zum 25. April 2026 abgegeben werden und darf bis zum 22. Oktober 2026 verwendet werden. Danach stehen in Deutschland nach Angaben der BAuA keine antikoagulanten Rodentizide mehr für Privatverbraucher zur Verfügung. Seit dem 1. Juli 2026 sind sie nur noch für geschulte berufsmäßige Verwender mit Sachkunde vorgesehen.
Ob ein Mittel betroffen ist, verrät der Wirkstoff auf der Packung, nicht der Markenname. Zu den Antikoagulanzien zählen Warfarin, Chlorophacinon, Coumatetralyl, Bromadiolon, Difenacoum, Brodifacoum, Difethialon und Flocoumafen. Häufig gesucht werden die Ratron Paste Power-Pads. Sie enthalten laut Produktangaben Brodifacoum, einen Wirkstoff der 2. Generation. Solche Mittel durften nach Angaben des Umweltbundesamts schon bisher nur geschulte berufsmäßige Verwender einsetzen. Frei verkäuflich für Privatleute sind sie nicht.
Bei „Giftweizen“ lohnt ein zweiter Blick, denn unter dem Namen laufen zwei verschiedene Dinge. Getreideköder gegen Ratten und Hausmäuse sind Biozide. Enthalten sie einen der genannten Wirkstoffe, wie ein Weizenköder mit Brodifacoum laut Sicherheitsdatenblatt, gilt für sie dasselbe wie für jedes andere Rattengift. Daneben gibt es Giftweizen mit Zinkphosphid gegen Feld- und Erdmäuse. Das ist ein Pflanzenschutzmittel mit eigener Zulassung und kein Mittel gegen Ratten.
Ohne Gift bleiben Privatleuten Vorbeugung und Fallen. In der vergleichenden Bewertung auf EU-Ebene wurden geprüfte Schlagfallen zur Hausmausbekämpfung als Alternative eingestuft. Klebefallen hält das Umweltbundesamt dagegen für nicht tierschutzgerecht. Bei Ratten ist der Fachbetrieb der verlässliche Weg, denn er darf Antikoagulanzien nach einer Befallsermittlung weiterhin einsetzen.

Droht jetzt eine Rattenplage?
Seit im Baumarkt kein Rattengift mehr steht, ist in vielen Berichten von einer drohenden Rattenplage die Rede. Belastbare Zahlen dafür gibt es bisher nicht. Das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) schreibt in einer Stellungnahme für den Landtag Nordrhein-Westfalen vom Januar 2026, dass keine belastbaren Daten zu aktuellen Befallszahlen vorliegen. Mehr Meldungen bei Ordnungsämtern bedeuten nach Einschätzung des Amts nicht automatisch mehr Ratten, sondern oft nur, dass Menschen genauer hinschauen, etwa seit der Arbeit im Homeoffice. In den 115 niedersächsischen Kur-, Heil- und Erholungsorten, für die das LAVES verlässliche Daten hat, gab es in den letzten Jahren keine wesentlichen Veränderungen.
Einig sind sich die Fachleute nicht. Der Deutsche Schädlingsbekämpfer-Verband erwartet, dass mit weniger Verwendern eher mehr Ratten kommen, und weist darauf hin, dass die Branche wegen Fachkräftemangel und langer Ausbildung nicht kurzfristig mehr Einsätze übernehmen kann. Das LAVES hält dagegen, dass Wanderratten und Hausmäuse gegen die bisher frei verkäuflichen Wirkstoffe der ersten Generation Resistenzen entwickelt haben, insbesondere durch nicht fachgerechte Anwendung im Privatbereich. Bei resistenten Tieren zeigen diese Mittel keine Wirkung.
In einem Punkt stimmen alle überein: Ratten vermehren sich dort, wo sie Nahrung und Deckung finden. Kurzzeitige Zunahmen gingen laut LAVES ausnahmslos auf das Verhalten von Menschen zurück, vor allem auf unkontrolliertes Vogelfüttern und falsch gelagerte Gelbe Säcke. Das Umweltbundesamt ergänzt, dass Giftköder oft gar nicht angenommen werden, wenn andere Nahrung da ist. Ursachenbekämpfung wird deshalb wichtiger als jedes Mittel aus dem Regal. Was Sie konkret tun können, steht im nächsten Abschnitt.
Ratten ohne Gift: Was Privatleute jetzt noch selbst tun können
Ohne Gift bleiben vor allem zwei Hebel: Nahrung entziehen und Wege versperren. Ratten bleiben dort, wo sie satt werden und ungestört sind. Verschließen Sie Mülltonnen, stellen Sie Vogelfutter und Tiernahrung weg, geben Sie keine gekochten Essensreste auf den Kompost und räumen Sie Holzstapel und Gerümpel an der Hauswand frei.
Im zweiten Schritt geht es um die Eintrittswege. Ratten zwängen sich durch Öffnungen, die kaum größer sind als eine Münze. Typische Schwachstellen sind Rohrdurchführungen, defekte Kellerfenster, Lüftungsöffnungen und Spalten unter Türen. Sehr häufig kommen die Tiere über das Abwassersystem, etwa über einen offenen Bodenablauf im Keller oder über eine fehlende oder defekte Rückstausicherung.
Schlagfallen sind bei einzelnen Tieren in Innenräumen eine Möglichkeit. Im Freien sollten Sie darauf verzichten, weil dort Igel, Vögel oder Katzen in die Falle geraten können. Fallen müssen täglich kontrolliert werden, und Ratten sind vorsichtig: Neue Gegenstände auf ihren Laufwegen meiden sie oft tagelang. Hausmittel wie Pfefferminzöl oder Chili vertreiben die Tiere bestenfalls kurzfristig, einen bestehenden Befall beseitigen sie nicht.
Wichtig: Profiköder, die über Umwege im Internet angeboten werden, sind nur für sachkundige Verwender zugelassen. Wer sie privat auslegt, verstößt gegen die Anwendungsbestimmungen und riskiert genau die Vergiftung von Haustieren, die die neuen Regeln verhindern sollen.
Wie Profis Ratten heute bekämpfen
Am Anfang steht die Befallsermittlung. Wir suchen Kot, Laufspuren, Nagespuren und Baue, stellen fest, wie groß der Befall ist und woher die Tiere kommen. Erst dann entscheiden wir, ob und wo Köder nötig sind. Das ist nicht nur Vorschrift, sondern auch der Grund, warum eine Bekämpfung dauerhaft wirkt: Wer den Eintrittsweg nicht findet, bekämpft Ratten nach ein paar Wochen erneut.
Köder setzen wir ausschließlich in verschlossenen Köderschutzstationen ein, an die Kinder, Haustiere und Wildtiere nicht herankommen. Die Stationen werden kontrolliert, der Fraß wird dokumentiert, und nach dem Ende des Befalls kommen die Köder wieder raus. Je nach Lage kommen auch Wirkstoffe ohne Blutgerinnungshemmung oder rein mechanische Verfahren in Frage.
Parallel verschließen wir die Zugänge und geben konkrete Hinweise zu Müll, Kompost und baulichen Schwachstellen. Die Rattenbekämpfung kostet bei uns in Hamburg 330 Euro zum Festpreis, mit bis zu fünf Köderstationen und inklusive Kontrolle über zwei bis vier Wochen.
Rattenbefall in Hamburg: Die Meldepflicht bleibt
An einer Sache ändert das Verkaufsverbot nichts: In Hamburg ist Rattenbefall meldepflichtig, und Eigentümer sind verpflichtet, einen Befall auf ihrem Grundstück beseitigen zu lassen. Mieter informieren den Vermieter oder die Hausverwaltung, die dann die Bekämpfung veranlasst.
Wenn Sie Ratten sehen, frische Kotspuren finden oder nachts Nagegeräusche in Wand oder Decke hören, warten Sie nicht ab. Ratten vermehren sich schnell, und ohne frei verkäufliches Gift gibt es für Privatleute keinen schnellen Weg mehr, einen Befall allein in den Griff zu bekommen. Wir übernehmen die Bekämpfung und auf Wunsch die Dokumentation für die Behörde.
Rattenbekämpfung vom Fachbetrieb - Festpreis am Telefon, oft noch am selben Tag.Quellen
- BAuA: Biozid-Verordnung, Informationen zum Zulassungsverfahren (Produktart 14, Antikoagulanzien)
- Umweltbundesamt: Rodentizide, FAQ zu Antikoagulanzien
- LAVES Niedersachsen: Infoblatt Rodentizide mit antikoagulanten Wirkstoffen auf dem Prüfstand (PDF)
- Albert Kerbl GmbH: Ratron Paste Power-Pads 29 ppm, Produktangaben (Wirkstoff Brodifacoum)
- frunol delicia: Sicherheitsdatenblatt Ratron Weizen-Köder 29 ppm (PDF)
- ISIP, Pflanzenschutzdienste der Länder: Rodentizide, Übersicht zugelassener Mittel mit Zinkphosphid (PDF)
- LAVES Niedersachsen: Stellungnahme zum Antrag der FDP-Fraktion, Landtag NRW, Stellungnahme 18/3393 (PDF)
- Deutscher Schädlingsbekämpfer-Verband (DSV): Stellungnahme zur Anhörung, Landtag NRW, Stellungnahme 18/3426 (PDF)
- Umweltbundesamt: Was ist eine „befallsunabhängige Dauerbeköderung“ und warum wird sie nicht mehr zugelassen?
- LAVES Niedersachsen: Präventivmaßnahmen gegen Rattenbefall
Stand der Angaben: 16.10.2026. Geprüft von Heiko Kirschner.
Kein Rattengift mehr im Baumarkt: häufige Fragen
Ist Rattengift jetzt komplett verboten?
Nein. Verboten ist die Abgabe an Privatpersonen, zuerst für Mittel mit dem Wirkstoff Coumatetralyl seit dem 26. April 2026. Sachkundige Schädlingsbekämpfer dürfen zugelassene Rattengifte weiterhin einsetzen, allerdings nur nach einer Befallsermittlung und unter strengeren Auflagen.
Darf ich mein altes Rattengift noch benutzen?
Ja, innerhalb der Aufbrauchfrist von 180 Tagen und nur nach Gebrauchsanweisung. Die Frist endet am 22. Oktober 2026. Danach müssen Reste als Sondermüll entsorgt werden, in Hamburg über die Schadstoffsammlung der Stadtreinigung.
Kann ich Rattengift noch online kaufen?
Händler dürfen die betroffenen Mittel auch online nicht mehr an Privatkunden abgeben. Profiprodukte sind nur für sachkundige Verwender zugelassen, eine private Anwendung verstößt gegen die Anwendungsbestimmungen.
Gilt das auch für Mäusegift?
Die Regeln knüpfen am Wirkstoff an, nicht am Tier. Mäuseköder mit blutgerinnungshemmenden Wirkstoffen sind deshalb genauso betroffen wie Rattenköder.
Warum wurde Rattengift für Privatleute verboten?
Blutgerinnungshemmende Rattengifte werden in der Umwelt nur langsam abgebaut und reichern sich in der Nahrungskette an. Greifvögel, Füchse, Hunde und Katzen nehmen sie über vergiftete Nager auf. Deshalb dürfen sie nur noch Profis einsetzen, die Köder gesichert und gezielt ausbringen.
Was kostet ein Kammerjäger gegen Ratten in Hamburg?
Bei uns kostet die Rattenbekämpfung 330 Euro zum Festpreis, mit bis zu fünf Köderstationen und inklusive Kontrolle über zwei bis vier Wochen.
Welches Rattengift ist für Privatleute noch erlaubt?
Nach dem 22. Oktober 2026 keines mit blutgerinnungshemmendem Wirkstoff. Laut BAuA stehen Privatverbrauchern in Deutschland danach keine antikoagulanten Rodentizide mehr zur Verfügung, sie sind nur noch für geschulte berufsmäßige Verwender mit Sachkunde vorgesehen. Privatleuten bleiben Vorbeugung, Schlagfallen in Innenräumen und der Fachbetrieb.
Sind Ratron Power-Pads oder Giftweizen noch frei verkäuflich?
Die Ratron Paste Power-Pads enthalten laut Produktangaben Brodifacoum, einen blutgerinnungshemmenden Wirkstoff der 2. Generation, den nur geschulte berufsmäßige Verwender einsetzen dürfen. Für Privatleute sind sie nicht frei verkäuflich. Giftweizen gegen Ratten mit einem solchen Wirkstoff ist genauso betroffen. Giftweizen mit Zinkphosphid ist dagegen ein Pflanzenschutzmittel gegen Feld- und Erdmäuse und kein Rattengift.
Droht 2026 eine Rattenplage?
Belegt ist das bisher nicht. Das Niedersächsische Landesamt LAVES sieht keine belastbaren Daten für steigende Befallszahlen, der Deutsche Schädlingsbekämpfer-Verband rechnet dagegen mit mehr Ratten, weil weniger Menschen Gift einsetzen dürfen. Sicher ist: Ratten vermehren sich vor allem dort, wo sie Futter finden. Offener Müll, Vogelfutter und Essensreste im Kompost sind die wichtigsten Stellschrauben.
Kann man Ratten ohne Gift bekämpfen?
Teilweise. Ohne Gift helfen vor allem Vorbeugung und bauliche Maßnahmen: Nahrungsquellen beseitigen, Mülltonnen verschließen und Eintrittswege wie defekte Kellerfenster oder Abflüsse sichern. Gegen einzelne Tiere in Innenräumen sind Schlagfallen oft ausreichend wirksam. Ein größerer oder wiederkehrender Befall gehört laut LAVES in die Hände eines professionellen Schädlingsbekämpfers, der Köder nach einer Befallsermittlung weiterhin einsetzen darf.