Woher kommen Silberfische? Ursachen, Verstecke und was sie bedeuten

Kurz beantwortet:Silberfische kommen über Kartons, Rohr- und Kabelschächte, Lüftungen oder aus Nachbarwohnungen ins Haus. Sie bleiben, wo die Luftfeuchte über 70 Prozent liegt und Nahrung wie Stärke, Hautschuppen oder Schimmel vorhanden ist. Ein Nest gibt es nicht, die Tiere verstecken sich in Fugen, hinter Leisten und unter Bodenbelägen.
Woher kommen Silberfische plötzlich?
Silberfische tauchen scheinbar aus dem Nichts auf. Tatsächlich gibt es nur wenige Wege, über die sie in eine Wohnung gelangen, und meist ist es einer davon. Der häufigste Weg in Mehrfamilienhäusern sind Rohr- und Kabelschächte. Die Tiere wandern entlang von Wasserleitungen, Abflussrohren, Lüftungskanälen und Leerrohren von Wohnung zu Wohnung. Wo ein Rohr durch die Wand geht, ist fast immer ein Spalt. Ein Zeichen dafür ist, wenn die Tiere immer wieder aus Richtung Bad oder Küche kommen, obwohl dort gelüftet wird.
Der zweite Weg sind Kartons und Verpackungen. In Pappe und Wellpappe sitzen Silberfische und vor allem Papierfischchen gern, weil sie dort Nahrung und Verstecke finden. Mit einer Lieferung, einem Umzug oder gebraucht gekauften Möbeln und Büchern ziehen die Tiere ein. Ein einzelnes befruchtetes Weibchen genügt.
Der dritte Weg ist die direkte Nachbarschaft. Wird in der Wohnung nebenan oder unter Ihnen renoviert, entkernt oder ein Befall bekämpft, weichen die Tiere aus. Dasselbe passiert, wenn dort jemand auszieht und die Wohnung austrocknet. Silberfische suchen dann die nächste feuchte Stelle.
Seltener kommen Silberfische von außen: aus dem Keller über das Treppenhaus, aus feuchten Gartenschuppen oder durch undichte Fenster. Draußen überleben sie in unserem Klima kaum, im Keller dagegen sehr gut. Sommer und Herbst sind die Zeit, in der neue Tiere am ehesten auffallen, weil dann die Luftfeuchte draußen und drinnen am höchsten ist.
Gibt es ein Silberfisch-Nest? Wo sich die Tiere verstecken
Viele suchen nach dem Nest, um es zu beseitigen. Silberfische bauen aber kein Nest. Es gibt keinen zentralen Ort mit Königin, Brut und Vorräten wie bei Ameisen oder Wespen. Die Weibchen legen ihre Eier einzeln oder in kleinen Gruppen in Ritzen ab, an vielen Stellen verteilt. Aus den Eiern schlüpfen nach einigen Wochen kleine Tiere, die aussehen wie die Erwachsenen.
Was Sie finden können, sind Verstecke. Silberfische verbringen den Tag an dunklen, engen, feuchten Stellen: in Silikonfugen von Dusche und Badewanne, hinter Sockelleisten, unter losem Bodenbelag, hinter Fliesen mit Hohlstellen, in Rohrdurchführungen, hinter Waschmaschine und Spülmaschine, in Tapetenblasen und in Ritzen von Holzrahmen. Auch die Rückseite von Bilderrahmen, Kalendern und Postern an feuchten Wänden ist ein beliebter Ruheplatz.
Sie finden diese Verstecke mit Klebefallen. Legen Sie flache Klebefallen entlang der Wände, in Ecken und hinter Geräten aus. Nach einigen Nächten zeigt sich, wo die meisten Tiere landen. Das Versteck liegt in der Regel wenige Meter davon entfernt. Ein zweiter Hinweis sind abgestreifte Häute und schwarze Kotpunkte, die sich an den Ruheplätzen sammeln. Eine Taschenlampe flach über den Boden gehalten hilft, die Häute in Fugen zu entdecken.
Also: Suchen Sie nicht das eine Nest. Suchen Sie die Feuchte. Wo die Feuchte ist, sind die Verstecke, und wo die Verstecke sind, sind die Eier.
Die Ursache: Feuchtigkeit und Nahrung
Silberfische brauchen eine Luftfeuchte von etwa 70 Prozent oder mehr und Temperaturen um 20 bis 30 Grad. Beides bietet ein Badezimmer nach dem Duschen, eine Küche beim Kochen, eine Waschküche oder ein Keller mit feuchten Wänden. Entscheidend ist nicht die kurzzeitige Feuchte, sondern die dauerhafte: Räume, die nicht abtrocknen, weil zu wenig gelüftet wird oder weil eine Feuchtequelle im Bauwerk sitzt.
Typische versteckte Ursachen sind ein tropfender Anschluss unter dem Waschbecken, eine undichte Silikonfuge, durch die Wasser hinter die Wanne läuft, eine Wärmebrücke an der Außenwand, an der die Luftfeuchte kondensiert, ein feuchter Keller, dessen Feuchte in die Erdgeschosswohnung aufsteigt, oder ein Wäscheständer im geschlossenen Schlafzimmer. Ein häufig übersehener Fall ist die Erdgeschosswohnung über einem unbeheizten Keller: Die Bodenplatte bleibt kalt, die Raumluft kondensiert am Bodenbelag, und darunter herrscht das Klima, das Silberfische suchen.
Bei der Nahrung sind Silberfische anspruchslos. Sie fressen alles, was Stärke oder Zucker enthält: Tapetenkleister, Buchleim, Papier, Pappe, Hautschuppen, Haare, Textilfasern aus Baumwolle und Leinen, Brotkrümel und vor allem Schimmelpilze. Ein Feuchteproblem bringt fast immer auch Schimmel mit sich, und der wiederum ist ein reich gedeckter Tisch.
Deshalb lässt sich ein Silberfischbefall nicht mit Sauberkeit erklären oder beheben. Auch in einer blitzsauberen Wohnung finden die Tiere genug. Was sie nicht überleben, ist Trockenheit.

Sind Silberfische gefährlich?
Nein. Silberfische beißen nicht, stechen nicht und übertragen keine Krankheiten. Sie lösen keine Allergien aus und sind kein Zeichen für mangelnde Hygiene. Für Kinder und Haustiere sind sie harmlos. Wer ein Tier im Waschbecken findet, kann es einfach wegspülen.
Der Schaden, den sie anrichten, ist materiell und meist gering: angefressene Buchseiten, Löcher in Papier, abgeschabte Tapetenstellen, Fraßspuren an Fotos oder an Baumwolltextilien. Bei einem starken, jahrelangen Befall summiert sich das, bei ein paar Tieren fällt es kaum auf. Wer alte Bücher oder Dokumente aufbewahrt, sollte sie deshalb nicht im Bad oder im Keller lagern.
Ernst nehmen sollten Sie Silberfische trotzdem, und zwar als Anzeiger. Ein wachsender Befall bedeutet, dass irgendwo dauerhaft Feuchte ist. Dahinter kann ein undichtes Rohr, ein Bauschaden oder ein Schimmelproblem stehen. Und Schimmel ist im Gegensatz zum Silberfisch tatsächlich ein Gesundheitsrisiko. Wer die Tiere als Warnsignal versteht, findet das eigentliche Problem oft früh.
Ein Hinweis zur Abgrenzung: Handelt es sich um Papierfischchen, die größer und grau sind und lange Schwanzanhänge haben, gilt der Feuchte-Zusammenhang nicht. Die kommen mit trockener Luft zurecht und sind ein eigenes Thema.
Selbst handeln: Die Ursache abstellen
Beginnen Sie mit einem Hygrometer. Für wenige Euro zeigt es Ihnen die Luftfeuchte in jedem Raum. Werte dauerhaft über 60 Prozent sind das Problem. Lüften Sie Bad und Küche nach jeder Nutzung mit ganz geöffnetem Fenster für fünf bis zehn Minuten, im Winter auch, und zwar gerade dann. Kippfenster bringen fast nichts. Trocknen Sie Wäsche nicht in geschlossenen Räumen. Ein Luftentfeuchter im Bad ist keine Lösung, sondern ein Notbehelf, wenn kein Fenster vorhanden ist. Prüfen Sie in dem Fall, ob der Lüfter funktioniert und lange genug nachläuft.
Suchen Sie die Feuchtequelle. Prüfen Sie Anschlüsse unter Spüle, Waschbecken und Waschmaschine, tasten Sie hinter der Badewannenverkleidung, schauen Sie sich Silikonfugen an, kontrollieren Sie Außenwände hinter Möbeln auf kühle, feuchte oder verfärbte Stellen. Im Keller helfen ein Luftentfeuchter und das Freiräumen der Wände.
Dichten Sie Verstecke ab. Erneuern Sie schadhafte Fugen, schließen Sie Spalten hinter Sockelleisten und um Rohrdurchführungen mit Acryl oder Silikon, verkleben Sie lose Tapetenränder. Saugen Sie regelmäßig hinter und unter Geräten, wo sich Krümel, Haare und Hautschuppen sammeln. Entsorgen Sie Kartons und lagern Sie Papier trocken.
Klebefallen erfüllen zwei Zwecke: Sie zeigen, wo die Tiere laufen, und sie belegen, ob Ihre Maßnahmen wirken. Sinkt die Zahl der Tiere über drei bis vier Wochen, sind Sie auf dem richtigen Weg. Hausmittel wie Kartoffel- oder Honigfallen fangen einzelne Tiere, ändern aber nichts an der Ursache.
Wann zum Profi, und wie Sie vorbeugen
Wenn Sie trotz Lüften, Abdichten und Fallen nach einigen Wochen weiterhin täglich Silberfische sehen, wenn die Tiere in mehreren Räumen auftreten, wenn Sie die Feuchtequelle nicht finden oder wenn es sich um Papierfischchen handelt, holen Sie den Fachbetrieb. Wir behandeln die Verstecke gezielt und schauen uns an, woher die Feuchte und die Tiere kommen, auch mit Blick auf Nachbarwohnungen und Schächte. Gerade im Mehrfamilienhaus lohnt es sich, die Hausverwaltung einzubeziehen, damit nicht jede Wohnung für sich behandelt wird. Die Bekämpfung von Silberfischen kostet bei uns 357 € für zwei Behandlungen. In Hamburg und im Umland sind wir meist noch am selben Tag da.
Vorbeugen heißt vor allem: trocken halten. Regelmäßiges Stoßlüften, Luftfeuchte unter 60 Prozent, Fugen einmal im Jahr prüfen, tropfende Anschlüsse sofort reparieren. Kartons nicht in der Wohnung lagern und Lieferungen zügig auspacken. Ein paar Klebefallen dauerhaft an den kritischen Stellen liegen lassen.
Wer diese Punkte im Griff hat, sieht vielleicht ab und zu ein einzelnes Tier, das über den Schacht hereinkommt. Einen Befall bekommt er nicht mehr. Wer dagegen ein wachsendes Problem ignoriert, hat nach ein bis zwei Jahren nicht nur Silberfische, sondern meist auch einen Feuchteschaden, der die eigentlichen Kosten verursacht.