Fledermaus im Haus oder in der Wohnung: Was jetzt zu tun ist

Kurz beantwortet:Ist eine Fledermaus im Haus oder in der Wohnung, öffnen Sie in der Abenddämmerung die Fenster weit, löschen das Licht und verlassen den Raum. Meist fliegt das Tier von selbst hinaus. Fassen Sie eine Fledermaus nie mit bloßen Händen an, nur mit festen Handschuhen. Im Winter gefundene Tiere gehören in fachkundige Hände, in Hamburg hilft das Fledermaus-Nottelefon des NABU. Alle heimischen Arten sind streng geschützt.
Fledermaus im Haus: Warum sich Fledermäuse in Wohnungen verirren
Wenn abends plötzlich etwas Dunkles lautlos durchs Wohnzimmer kreist, erschrecken die meisten Menschen. Kein Grund zur Panik. Nach Angaben des NABU Hamburg können junge Fledermäuse ab August und September fliegen und suchen dann teils bis in den Oktober nach passenden Winterquartieren. Fachleute nennen diese Phase Schwärmzeit. Dabei verfliegen sich unerfahrene Tiere, meist durch gekippte Fenster.
Wie schnell daraus ein Problem wird, zeigt ein Fall, den der NABU Hamburg im September 2025 öffentlich gemacht hat: Während eines dreiwöchigen Urlaubs flogen 130 Zwerg- und Mückenfledermäuse durch ein gekipptes Fenster in eine Hamburger Wohnung. Nur sechs Tiere konnten gerettet werden. Eingesperrte Fledermäuse rufen ihre Artgenossen, die dann ebenfalls in die Falle geraten. Die kleinen Tiere verstecken sich gern in Spalten, Gardinenfalten und offenen Gefäßen.
Gefährlich ist der Besuch für Sie nicht. Fledermäuse wollen keinen Kontakt zu Menschen. Dass sie gezielt in die Haare fliegen, ist laut dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz ein Märchen. Landet doch einmal eine Fledermaus auf einem Menschen, ist das eher eine Notlandung eines Jungtiers als ein Angriff.
Fledermaus in der Wohnung: So helfen Sie ihr hinaus
Der NABU Hamburg empfiehlt ein einfaches Vorgehen. Räumen Sie zuerst Gefahrenquellen weg: Gießkannen, in denen Fledermäuse ertrinken können, Vasen mit glatten Wänden und Fliegenfänger, auch Gelbtafeln im Blumentopf. Katzen und Hunde bleiben draußen. Öffnen Sie in der Abenddämmerung alle Fenster des Raums weit, ziehen Sie die Gardinen zur Seite, löschen Sie das Licht, verlassen Sie den Raum und schließen Sie die Tür. Bei starkem Regen kann es dauern, bis das Tier hinausfliegt.
Nach etwa einer halben Stunde sehen Sie nach. Suchen Sie den Raum gründlich ab, denn manchmal sind es mehrere Tiere: auf dem Boden, hinter Schränken und Büchern, zwischen Gardinen, in Blumentöpfen und unter der Couch. Hat sich eine Fledermaus irgendwo niedergelassen, ist sie womöglich geschwächt. Dann rufen Sie beim Fledermaus-Nottelefon an.
Finden Sie das Tier tagsüber, machen Sie ein Foto und sichern es bis zum Abend. Dazu eignet sich ein kleiner Karton mit kleinen Luftlöchern und zerknülltem Küchenpapier darin. Größere Schlitze kleben Sie von innen zu, denn Fledermäuse zwängen sich durch enge Spalten. Nehmen Sie das Tier mit einem Küchenhandtuch oder festen Handschuhen seitlich auf, setzen Sie es in den Karton und verschließen Sie ihn gut.
Einflug im Spätsommer
- Vor allem August und September
- Oft unerfahrene Jungtiere
- Kommen durch gekippte Fenster
- Fliegen abends meist von selbst hinaus
Fund im Winter
- Winterschlaf etwa November bis März
- Tiere wirken reglos, sind aber nicht tot
- Nicht einfach draußen aussetzen
- Fledermaus-Nottelefon anrufen
Quartier am Haus
- Spalten, Verkleidungen, Dachboden
- Tiere nagen nicht und bauen keine Nester
- Kot trocken, lässt sich wegfegen
- Quartier ist gesetzlich geschützt
Darf man eine Fledermaus anfassen? Bisse und Tollwut
Nie mit bloßen Händen. Fledermäuse sind Wildtiere und können sich mit schmerzhaften Bissen verteidigen. Der NABU rät zu dicken Lederhandschuhen oder einem gefalteten Tuch. Bringen Sie auch Kindern bei, eine hilflose Fledermaus am Boden nicht anzufassen.
Der Grund ist neben dem Biss die Tollwut. Laut NABU hat das Friedrich-Loeffler-Institut in den vergangenen 30 Jahren bei gut 200 Fledermäusen in Deutschland Fledermaustollwut festgestellt, rund 90 Prozent der Nachweise stammen aus der norddeutschen Tiefebene, also auch aus unserer Region. Übertragen wird das Virus nur über Speichel in Wunden. Vom Kot geht keine Tollwutgefahr aus, und wer die Tiere nicht anfasst, ist auch mit einem Quartier im Dachstuhl keiner erhöhten Gefahr ausgesetzt.
Kommt es doch zu einem Biss oder Kratzer, reinigen Sie die Wunde sofort gründlich mit Wasser und Seife und gehen Sie unverzüglich zum Arzt. Das Robert Koch-Institut ordnet schon den Verdacht auf einen Biss oder Kratzer durch eine Fledermaus der höchsten Expositionsstufe zu. Ob eine Impfung nötig ist, entscheidet der Arzt, nicht das Abwarten.

Fledermaus im Winter gefunden: Winterquartier im Haus
Alle heimischen Fledermäuse halten Winterschlaf, nach Angaben des NABU etwa von Anfang November bis Ende März. Typische Winterquartiere sind Höhlen, Stollen, Bunker und Keller mit kühler, gleichmäßiger Temperatur und hoher Luftfeuchtigkeit. Seltener nutzen Fledermäuse Dachböden oder Holzstapel. Der Winterschlaf dient dazu, Energie zu sparen, denn Insekten als Nahrung gibt es im Winter kaum.
Ein Winterfund passiert in Hamburg häufiger, als man denkt, und zwar am Kamin. Der NABU Hamburg weist darauf hin, dass Fledermäuse in Holzstapeln überwintern, zum Beispiel die Rauhautfledermaus. In der Winterstarre können sie sich nicht bemerkbar machen und landen im schlimmsten Fall mit dem Holz im Ofen. Fallen sie beim Holzholen zu Boden, wirken sie leblos, sind es aber in der Regel nicht. Schauen Sie deshalb beim Hereinholen genau hin.
Finden Sie im Winter eine Fledermaus, im Kaminholz, im Keller oder in der Wohnung, setzen Sie sie nicht einfach vor die Tür. Draußen findet sie keine Insekten. Sichern Sie das Tier wie oben beschrieben und rufen Sie das Fledermaus-Nottelefon an. Dort wird entschieden, ob es gepflegt werden muss. Haben Sie Fledermäuse im Winterschlaf auf dem eigenen Dachboden, rät die niedersächsische Fledermausberatung, diesen Bereich bis zum Frühjahr nicht zu betreten.
Fledermäuse sind streng geschützt: Was Sie dürfen und was nicht
In Hamburg kommen nach Angaben der Umweltbehörde BUKEA 14 Fledermausarten vor. Alle sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt und im Anhang IV der europäischen FFH-Richtlinie gelistet. Nach Paragraf 44 ist es verboten, die Tiere zu verletzen oder zu töten, sie während der Fortpflanzungs-, Aufzucht-, Überwinterungs- und Wanderungszeiten erheblich zu stören und ihre Fortpflanzungs- oder Ruhestätten zu beschädigen oder zu zerstören. Für Sie heißt das: Fledermäuse nicht vertreiben und keine Einflugöffnungen verschließen, hinter denen Tiere sitzen, im Winter schon gar nicht.
Auch behalten dürfen Sie eine Fledermaus nicht. Verletzte oder hilflose Tiere dürfen zwar aufgenommen werden, um sie gesund zu pflegen. Bei streng geschützten Arten ist das in Hamburg der BUKEA zu melden. Praktisch übernimmt die Pflege die AG Fledermausschutz des NABU Hamburg.
Wer ein Dach sanieren oder dämmen will und Fledermäuse am Haus hat, meldet sich am besten frühzeitig bei Fledermausfachleuten, der NABU empfiehlt möglichst schon im Vorjahr. Die gute Nachricht für Hausbesitzer: Fledermäuse bauen keine Nester, schleppen kein Material ein und nagen weder Dämmung noch Holz an. Ihr Kot ist trocken und lässt sich wegfegen. Ein Brett unter der Einflugöffnung fängt ihn auf.
Wer hilft bei Fledermäusen in Hamburg?
Erste Anlaufstelle in Hamburg ist das Fledermaus-Nottelefon des NABU Hamburg unter 0700 35 33 37 62. Das Team arbeitet ehrenamtlich, lassen Sie es also lange klingeln. Bundesweit erreichen Sie das NABU-Fledermaustelefon unter 030 284984 5000 zu festen Sprechzeiten. Für rechtliche Fragen, etwa bei Bauvorhaben, ist in Hamburg die Abteilung Naturschutz der BUKEA zuständig, außerhalb Hamburgs die untere Naturschutzbehörde Ihres Kreises.
Wir als Kammerjäger fangen, vertreiben oder töten keine Fledermäuse. Oft stellt sich bei einem Anruf aber heraus, dass das Poltern im Dach gar nicht von Fledermäusen kommt, sondern von einem Marder oder von Mäusen. Dann helfen wir: Marderabwehr mit Verschluss der Einstiege gibt es bei uns ab 360 Euro, die Mäusebekämpfung kostet 330 Euro. Ist unklar, wer da wohnt, schauen wir uns das bei einer Erstinspektion für 80 Euro an, die bei Auftrag verrechnet wird. Finden wir Fledermäuse, verschließen wir nichts und verweisen an die Fachleute vom NABU. In Hamburg und im Umland sind wir meist noch am selben Tag da.
Für den Anruf beim Fledermaus-Nottelefon hilft es, wenn Sie ein Foto von oben und von vorn gemacht haben. Sagen Sie dazu, wo und wann Sie das Tier gefunden haben, ob es sich bewegt und ob es verletzt wirkt. Das Team sagt Ihnen dann, wohin Sie das Bild schicken und ob das Tier am Abend wieder freigelassen werden kann.
Vorbeugen: Fliegengitter, Fenster und Kaminholz
Der einfachste Schutz vor ungebetenem Besuch ist ein Fliegengitter. Der NABU Hamburg rät außerdem, in den Abendstunden Fenster und Türen nach draußen geschlossen zu halten, wenn es wiederholt zu Einflügen kommt. Manchmal liegt ein Quartier ganz in der Nähe, und die Tiere finden die Wohnung immer wieder. Vor allem im August und September gilt: Fenster bei längerer Abwesenheit schließen oder mit Fliegenschutz versehen, und leere Blumentöpfe, Gießkannen oder Regentonnen abdecken oder umdrehen.
Im Winter gehört ein kurzer Blick ins Kaminholz zur Routine, bevor es im Ofen landet. Gelbtafeln und Fliegenfänger hängen Sie besser nicht in Räume, deren Fenster abends offen stehen. Und wer Fledermäuse am Haus hat, kann sich freuen: Die Tiere fressen Insekten und richten am Gebäude in aller Regel keinen Schaden an.
Melden müssen Sie Fledermäuse am Haus übrigens nicht, eine Pflicht dazu gibt es laut NABU nicht. Der Verband freut sich aber über jeden Quartierhinweis, weil über Verbreitung und Bestände noch zu wenig bekannt ist. Wer Fledermäuse am Haus duldet, kann dafür sogar eine Auszeichnung des NABU bekommen. Und wer sanieren will, plant die Arbeiten mit Fachleuten so, dass die Tiere nicht gerade in der Aufzucht- oder Winterzeit gestört werden.
Mäusebekämpfung vom Fachbetrieb - Festpreis am Telefon, oft noch am selben Tag.Quellen
- NABU Hamburg: So werden gekippte Fenster zur Falle
- NABU Hamburg: Fledermaus in Ihrer Wohnung?
- NABU Hamburg: Fledermäuse im Feuerholz
- NABU: Fledermaustelefon und FAQs
- NABU: Tollwut bei Fledermäusen
- Freie und Hansestadt Hamburg, BUKEA: Aufnahme und Pflege von hilfsbedürftigen Fledermäusen (PDF)
- NLWKN Niedersachsen: Fledermausberatung, häufige Fragen
- Robert Koch-Institut: RKI-Ratgeber Tollwut
Stand der Angaben: 16.10.2026. Geprüft von Heiko Kirschner.
Fledermaus im Haus oder in der Wohnung: häufige Fragen
Was tun, wenn eine Fledermaus im Haus ist?
Entfernen Sie Gefahrenquellen wie Vasen, Gießkannen und Fliegenfänger und bringen Sie Haustiere aus dem Raum. Öffnen Sie in der Abenddämmerung die Fenster weit, löschen Sie das Licht und schließen Sie die Tür hinter sich. Meist fliegt die Fledermaus von selbst hinaus. Suchen Sie den Raum danach gründlich ab. Wirkt das Tier geschwächt, rufen Sie das Fledermaus-Nottelefon an.
Ist eine Fledermaus in der Wohnung gefährlich?
Nein, solange Sie sie nicht anfassen. Fledermäuse greifen Menschen nicht an und fliegen auch nicht gezielt in die Haare. Gefährlich können nur Bisse werden, weil in seltenen Fällen Fledermaustollwut nachgewiesen wurde. Das Virus wird über Speichel in Wunden übertragen, nicht über Kot. Wer die Tiere nur mit festen Handschuhen oder einem Tuch berührt, ist geschützt.
Darf ich eine Fledermaus anfassen?
Nur mit festen Leder- oder Arbeitshandschuhen oder einem dicken Tuch, niemals mit bloßen Händen. Fledermäuse beißen, wenn sie sich bedroht fühlen. Nach einem Biss oder Kratzer reinigen Sie die Wunde sofort mit Wasser und Seife und gehen unverzüglich zum Arzt. Das Robert Koch-Institut stuft schon den Verdacht auf einen Fledermausbiss in die höchste Expositionsstufe ein.
Was mache ich mit einer Fledermaus im Winter?
Setzen Sie sie nicht einfach nach draußen, denn im Winter findet sie keine Nahrung. Sichern Sie das Tier mit Handschuhen in einem kleinen Karton mit Luftlöchern und Küchenpapier und rufen Sie eine Fledermausstelle an, in Hamburg das NABU-Fledermaus-Nottelefon. Tiere aus dem Kaminholz wirken oft leblos, sind aber meist nur in Winterstarre.
Darf ich Fledermäuse vom Dachboden vertreiben?
Nein. Alle heimischen Fledermausarten sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt. Verboten ist es, sie zu verletzen, sie während Aufzucht und Überwinterung erheblich zu stören und ihre Quartiere zu beschädigen oder zu zerstören. Einflugöffnungen dürfen nicht verschlossen werden, solange Tiere dahinter sitzen. Bei Bauvorhaben melden Sie sich frühzeitig bei der Naturschutzbehörde oder beim NABU.
Ist Fledermauskot gefährlich?
Fledermauskot ist trocken, krümelig und lässt sich einfach wegfegen. Eine Tollwutgefahr geht von ihm nicht aus. Wer größere Mengen auf dem Dachboden beseitigt, sollte wegen möglicher Pilzsporen eine Staubmaske und Handschuhe tragen, rät die niedersächsische Fledermausberatung. Kot an der Hauswand vermeidet ein Brett, das unter die Einflugöffnung gedübelt wird.
Wen rufe ich in Hamburg bei einer Fledermaus an?
In Hamburg ist das Fledermaus-Nottelefon des NABU unter 0700 35 33 37 62 die erste Anlaufstelle, ehrenamtlich besetzt, also lange klingeln lassen. Bundesweit gibt es das NABU-Fledermaustelefon unter 030 284984 5000. Für rechtliche Fragen ist die Abteilung Naturschutz der Hamburger Umweltbehörde BUKEA zuständig. Kammerjäger fangen oder vertreiben keine Fledermäuse.